Museum der Arbeit | 26.04.2021 Beginn: 18:30 - 20:00 Uhr

Digitale Vortragsreihe „(Neo)Kolonialismus und Arbeit“

mit Dr. Minu Haschemi Yekani: Die "Arbeiterfrage" im kolonialen Tansania. Indentured Labour im Kontext von Rassismus und Widerstand 

‚Kontraktarbeit' – auch indentured oder bonded labour genannt – gehört zu den spezifischen Formen der Arbeit, die für den deutschen kolonialen Kontext weniger bekannt sind. Die Geschichte der Kontraktarbeit ist aus mehreren Gründen interessant: Sie unterstreicht nicht nur die Bedeutung sogenannter "unfreier" Arbeit für das koloniale Projekt, sondern wirft auch ein Licht auf einen von Widerstandspraktiken geprägten Arbeitsalltag. Der Einsatz von indentured labourers an der Küste des heutigen Tansanias ­– zwischen 1892 und 1895 konnten einige hundert Arbeiter aus Singapur für die Arbeit auf Tabakplantagen geworben werden – kann nur vor dem Hintergrund der kolonialen "Arbeiterfrage" und im Kontext des zeitgenössischen Rassismus verstanden werden. Hier zeigt sich, wie Vorstellungen von "Rasse" im Kolonialismus stets mit der Frage der (Lohn-)Arbeit und Kommodifizierung verknüpft waren. 


Über die Referentin:

Dr. Minu Haschemi Yekani ist Historikerin. Sie hat am Europäischen Hochschulinstitut Florenz promoviert und ist seit 2013 am Arbeitsbereich „Globalgeschichte“ der FU Berlin beschäftigt. Hier koordiniert sie das Masterprogramm „Global History“.


Zur Vortragsreihe: 

Die Referent*innen werden sowohl einen historischen Blick auf die Zwangsarbeitsregimes in den ehemaligen Kolonien werfen als auch die gegenwärtigen Fortschreibungen mit postkolonialen, feministischen und rassismuskritischen Perspektiven untersuchen.