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Das neue Klüvernetz der PEKING

Die PEKING bekommt ein neues Klüvernetz in alter Tradition. Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen das Team der PEKING dabei und bändseln an den Wochenenden ein neues Netz für den Bugspriet. 

An den Wochenenden im Oktober und November 2021 saßen Ehrenamtliche vom Hafenmuseum Hamburg und Freunde der Viermastbark PEKING e.V. zusammen an Bord der PEKING und gaben damit begonnen, ein neues Klüvernetz nach alter Tradition zu schaffen. Es wurde gebändselt was das Zeug hält. Unzählige Meter von dünnem Tauwerk, auch Hüsing genannt, lagen bereit. Die arbeit am Netz wird im Frühjahr 2022 fortgesetzt. 

Zahlen und Fakten

4500 Meter Hüsing (9 Rollen)

880 Meter Tau (4 Trossen)

800 – 1000 Kreuzbändsel

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Laura Lühnenschloß, Stellvertretende Technische Leiterin der PEKING. Foto: SHMH

Laura Lühnenschloß, Stellvertretende Technische Leiterin der PEKING und Expertin im Bereich des Takelhandwerks, erklärt, dass sie sich zur Herstellung des neuen Klüvernetzes eine traditionelle und historisch korrekte Technik herausgesucht hat. Beim Klüvernetz werden Kreuzbändsel gemacht. Das ist sehr aufwändig, aber in den Wintermonaten, während der Saisonpause nutzen die Ehrenamtlichen und Laura Lühnenschloß die Zeit, die alten Handwerkstechniken zu üben und vor allem auch weiterzugeben. Denn jedes zweite Wochenende erklärt die Expertin die Techniken einer neuen Kleingruppe Ehrenamtlicher von vorn. Dabei geht sie auf die Geschichte der PEKING ein, zeigt und erklärt, wo sich das Klüvernetz befinden soll, wozu es dient und wie sie es herstellen werden.

In diesem Fall geht es nicht um Schnelligkeit oder Effizienz zur Herstellung eines Klüvernetzes, sondern um die Weitergabe eines wichtigen Kulturgutes: historisches Takeln. Die Kreuzbändsel werden in liebevoller Fleißarbeit erstellt. Zum Üben hat Laura Lühnenschloß eine „Teststrecke“ aufgebaut, wo zu Beginn die ersten Bändsel mit dem Taklerwerkzeug geübt werden können. Der Marlspieker und der Durchholer, ein Gerät mit einer Öse, die aus einem lang gebogenen, stabilen Draht hergestellt wurde, und kräftige Hände sind dabei die wichtigsten Werkzeuge. Zudem wird noch eine große Portion Geduld und Hingabe verlangt, denn das Netz scheint unendlich groß zu sein.

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Teamwork! Ehrenamtliche unterstützen sich gegenseitig bei der Arbeit am Klüvernetz. Foto: SHMH

Was ist ein Klüvernetz?

Ein Klüvernetz ist ein Netz, das sich unter dem Bugspriet bzw. Klüverbaum befindet. Die Seeleute konnten damals über das Netz und die Fußpferde klettern und die Vorsegel setzen, die an den Stagen am Bugspriet angeschlagen waren. Zu den Vorsegeln der PEKING gehören (von vorne nach achtern) der Jager, Außenklüver, Mittelklüver, Innenklüver und das Fockstengestagsegel. Das Klüvernetz unter dem Bugspriet war früher wichtig, damit die Matros*innen beim Setzen der Segel nicht ins Wasser fielen.

 

Hatte die PEKING immer ein Klüvernetz?

Die PEKING hatte nicht immer ein Klüvernetz, das hing vom jeweiligen Kapitän ab. Welche Entscheidungen dazu führten, wann es eins gab oder auch nicht, ist bislang nicht bekannt.

Wie entsteht ein Kreuzbändsel?

2 Meter lang ist das Hüsing für einen Kreuzbändsel. 3x3 lautet die Order — gemeint ist damit, dass die dünnen Tauwerke drei Mal diagonal in die eine und anschließend dreimal diagonal in die andere Richtung gelegt werden. Anschließend wird eine Art „Rose“ genäht, die mit jeder Runde das Bändsel fester zusammen zieht. Insgesamt werden 3 Runden gelegt.

Was ist ein Marlspieker?

Ein Marlspieker ist ein Werkzeug, welches im Bereich der Taklerarbeiten zum Einsatz kommt. Die Werkzeuge können sehr unterschiedlich aussehen, doch in der Regel ähneln sie einem 20-40 cm langen, ausgehärteten Stück Rundstahl, welches an einer Seite konisch zusammenläuft. In erster Linie werden Marlspieker dazu genutzt, um etwas mittels dem Marlschlag besonders fest zuziehen. Ein anderer Bereich, in dem auf den Marlspieker zurückgegriffen werden muss, ist das Spleißen von Draht. Hier gibt Nico eine genauere Auskunft über die vielseitigen Einsatzgebiete dieses Universalwerkzeuges.

Was ist Hüsing?

Hüsing ist ein dünnes, geteertes Bändselgut (traditionell aus Hanf hergestellt), was es in verschiedenen Stärken von 2-6mm gibt. Das Hüsing wird zur Herstellung der Kreuzbändsel verwendet, um das eigentliche Tauwerk, welches das Klüvernetz später bildet, miteinander zu verbinden und Stabilität zu geben. Merkwürdigerweise erscheint uns der Geruch von Hüsing direkt vertraut. Laura Lühnenschloß verrät, warum: Es ist der Geruch von Teer, welches in winzigen Mengen beim engen Zusammenziehen des Hüsings herausquillt. Dieser Teer verklebt das Kreuzbändsel und macht es länger haltbar gegen äußere Einflüsse.

Aufgrund der aktuellen Corona-Lage sind alle weiteren Arbeiten am Klüvernetz vorerst auf Frühjahr 2022 verschoben. Bis zur finalen Montage des Klüvernetzes an den Bugspriet der „PEKING“ wird somit noch etwas Zeit vergehen. Angesetzt ist aktuell das kommende Frühjahr und der damit einhergehende Saisonstart im Hansahafen. Gemeinsam mit Laura Lühnenschloß und ihrem Team freuen wir uns schon sehr darauf.

 

Historische Bilder der PEKING mit Klüvernetz

Wer findet das Klüvernetz? Bei unseren historischen Bildern muss man genau hinschauen: Mit der Maus (oder mobil mit dem Finger auf das Bild tippen) über das Bild fahren und durch die Lupe das Klüvernetz unterm Bugsprit suchen. Es ist nicht ganz so einfach, aber auf diesen Bildern hat die PEKING überall ein Klüvernetz. 

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Bildqulle: Die PEKING auf dem Südatlantik, Blick vom Passagierdampfer Cap Arcona auf die PEKING unter Segeln, 1929, Archiv Laeisz-Reederei.

Bildquelle: Otto Reich, Viermastbark PEKING vor dem Hafentor, HHLA

Fotografie: Archiv Reederei Laeisz