Die 5 Lieblingskirchen von Pastor Ulrich Rüß

1. Hauptkirche St. Michaelis

Wie viele Hamburger liebe auch ich diese Kirche nahe EIbe und St. Pauli – unseren "Michel". Sie ist Hamburger Wahrzeichen und die bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands (1762). Mich beeindruckt schon die schiere Größe: Der Turm ist 132 Meter hoch und ragt wie ein riesiger architektonischer Zeigefinger Gottes in den Himmel. Die Kirchturmuhr ist die größte in Deutschland. Die Hauptkirche ist nach dem Erzengel Michael benannt, der den Drachen – die Macht des Bösen – bezwungen hat. Das übergroße Mosaik über dem Altar zeigt den aus dem Grab auferstandenen Jesus. Dem Tod ist die Macht genommen. Für mich die tröstlichste Aussage.

 

Der dankende 'Michel' zur Erinnerung an die Einweihung der St. Michaelis-Kirche am 19. Oktober 1912; Selbstverlag Max Schmidt, Hersteller/in, Selbstverlag; Museum für Hamburgische Geschichte
'Der Michel', Hamburgs Wahrzeichen, 1778; Zeitungsausschnitt; Eduard Niese (1833-1898), Zeichner/in, Original; Museum für Hamburgische Geschichte.
Bild
St. Michaelis Kirche. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Christian Spahrbier

 

2. St. Johannis (Eppendorf)

Unmittelbar an der Alster und mittendrin im Stadtverkehr liegt die St. Johanniskirche in Eppendorf, bekannt als beliebteste Hochzeitskirche Hamburgs. Sie mutet an wie eine beschauliche Dorfkirche. Für mich ist sie eine der schönsten in Hamburg. Das Kircheninnere ist freundlich hell und lichtdurchflutet, alles wirkt festlich und sakral. Auf der linken Seite der Empore ist eine Art „Armenbibel“ dargestellt: Wesentliche biblische Geschichten von Jesus werden in Bildern erzählt und wollen den Betrachter verkündigend ansprechen.

Die Kirche, benannt nach Johannes dem Täufer, wird urkundlich erstmals 1267 erwähnt und gilt als Mutterkirche der später erbauten Kirchen im weiten Umfeld.

St. Johannis (Eppendorf)
Ulrich Rüß
Ulrich Rüß

 

Ulrich Rüß, geboren am 12. Dezember 1943 in Braunschweig, stammt aus einer bedeutenden Pastorenfamilie, insgesamt gehören (gehörten) zehn Pastoren zur Familie. 1970 wurde er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Andreas im Dom zu Schleswig ordiniert. 1982 wurde er in die 1. Pfarrstelle von St. Johannis-Eppendorf gewählt und war zwischenzeitlich Mitglied der Landessynode. Er ist Autor von Rundfunkandachten, Verfasser von theologischen Kommentaren und Rechtsritter des Johanniterordens. Ulrich Rüß ist bekannt für seine engagierten Predigten.

 

3. Kirche am Markt (Niendorf)

Festlich, licht und hell wirkt die Kirche am Markt (Hamburg-Niendorf) auf mich. Sie gilt nach dem Michel als das bedeutendste Barockbauwerk der Stadt und wurde 1770 geweiht. Ihr Grundriss ist ein Achteck. Den Erbauern schwebte eine Kirche vor, in der die Gläubigen von allen Seiten eine gute Sicht zur beherrschenden Kanzel haben sollten. Initiator des Kirchbaus war der dänische König Christian VII.

Mittelpunkt ist der Kanzelaltar, der die Hauptelemente der ev. Kirche versinnbildlichen soll: Sakrament und Wort. Etwas ganz Besonderes ist der barocke Taufengel, der bei der heiligen Taufe mitsamt seiner Taufschale herabgelassen wird. Will sagen: Die Taufe ist des Himmels. Dem Getauften wird der Himmel geschenkt, er ist Kind Gottes. Ein herrliches Symbol!

Kirche am Markt (Hamburg-Niendorf)
Zwei Mark Altrahlstedt, Detlev von Liliencron-Gesellschaft; Otto Thämer (1892 - 1975), Grafiker, Ausführung; Museum für Hamburgische Geschichte

 

 

 

Wir haben viele wunderbare Gotteshäuser, aber diese sprechen mich am meisten an, ja – sie „predigen“ mich an.

 

4. Kirche Alt-Rahlstedt

Dieser Kirche spürt man ab, dass sie eine alte Geschichte hat. Erstmals wurde sie 1248 urkundlich erwähnt. Da sie als Stationskirche eines mittelalterlichen "Jakobspilgerwegs" erwähnt wird, schließen manche Autoren darauf, dass der Apostel Jakobus der ursprüngliche Namenspatron der Kirche gewesen sein könnte. Der Hauptraum ist aus Feldsteinen errichtet. Vom ehemaligen Altar aus dem 15. Jahrhundert sind noch zwei Apostelfiguren, Petrus und Jakobus, erhalten. Der Blick des Kirchenbesuchers fällt auf das Triumphkreuz im Altarraum aus dem 14. Jahrhundert. Nicht der leidende, sondern der triumphierende Christus hängt am Kreuz. Darin deuten sich Auferstehung und Ostern an. Dies "predigt" dem Betrachter Trost und Hoffnung.

Kirche Alt-Rahlstedt

5. Nienstedtener Kirche

Die Nienstedtener Kirche liegt nahe der EIbe und ist ebenfalls als Hochzeitkirche sehr beliebt. Mit ihrem hellen, schlichten Innenraum ohne besonders ins Auge fallende Kunstwerke wirkt sie wie eine charmante Dorfkirche. Der Blick des Besuchers wird auf den Kanzelaltar gerichtet. Wort und Sakrament sollen das Entscheidende künstlerisch darstellen. Dies unterstreicht zusätzlich auch ein Abendmahlsbild am Altar. Über dem Eingang fällt mir das Königliche Monogramm des Dänischen Königs Friedrich V. auf. Er erteilte 1748 die Baugenehmigung für den heutigen Fachwerkbau. Am Seitenschiff erinnert ein Glasfenster an den Untergang der Pamir. Ich mag die anheimelnde und entspannende Atmosphäre der Kirche – irgendwie kuschelig und schön.

 

Nienstedtener Kirche
Ansicht von Nienstedten von der Elbe aus gesehen; Lithografie; Charles Fuchs (1803 - 1874), Herausgeber; Museum für Hamburgische Geschichte