Architektur vom Feinsten

Von Denkmalschützern geadelt: Fünf Hamburger Bauten aus allen Epochen mit herausragender Architektur

Amsinck-Palais, Neuer Jungfernstieg 19 Baujahr 1831–1834

Das stattliche Palais, in dem heute der Übersee-Club Hamburg zu Hause ist, wurde 1831–1834 nach Plänen des Architekten Franz Gustav Joachim Forsmann (1795–1878) erbaut, der neben seiner Tätigkeit in der Hamburger Baudeputation zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in Hamburg und Altona entwarf. Auftraggeber des Amsinck-Palais war der Bankier Gottlieb Jenisch, für dessen Bruder Forsmann das Jenischhaus in Klein Flottbek baute. 1899 erwarb der Kaufmann Gustav Amsinck das Palais, er ließ es ein Jahr später durch den bekannten Architekten Martin Haller umbauen und neu ausstatten. Bereits zu seiner Entstehungszeit fiel das elegante Wohn- und Geschäftshaus durch die breit angelegte Fassade und die leicht vorspringenden äußeren Fensterachsen als ungewöhnlicher, repräsentativer Bau innerhalb der die Binnenalster rahmenden Häuserzeilen auf. Dem Geschmack der Zeit entsprechend ist das Äußere des weißen, verputzten Gebäudes sehr zurückhaltend gegliedert. Einziger Schmuck neben den Fensterrahmungen sind die üppigen, vergoldeten Ziergitter. Obwohl der Eingang des Palais in den 1960er Jahren an die Nordseite verlegt und einige Veränderungen vorgenommen wurden, hat sich das Gebäude insgesamt mit seiner wertvollen Innenausstattung seit dem Umbau durch Martin Haller kaum verändert. Es ist heute das einzige in der Hamburger Innenstadt erhaltene Palais, das die Wohnkultur der wohlhabenden Kaufmannsfamilien im 19. Jahrhundert noch dokumentiert.

 

Das Amsinck-Palais am Neuen Jungfernstieg, heutiges Quartier des exklusiven Hamburger Übersee-Clubs. Lithografie, Peter Suhr, 1830

 

Palais Baur, Palmaille 45, 49, 51 Baujahr 1805

Ein Straßenzug, der das zwiespältige Verhältnis der Kaufleute zu ihrem baulichen Erbe besonders anschaulich macht, ist die Palmaille. Zuerst Ballspielfeld, dann Promenade hatte sie sich spätestens um 1800 zur ersten Wohnlage im Altonaer Stadtgebiet gemausert. An beiden Seiten der Straße entstanden jene klassizistischen Stadthäuser, unter denen die Entwürfe Christian Frederik Hansens hervorragen. Der Glanz ist heute verblichen – nach dem Krieg und der folgenden Modernisierung ist nur noch im Westen ein vager Eindruck von der früheren Grandeur zu bekommen. Für das Palais Baur, den größten und schönsten Bau an der Palmaille, kam die Rettung noch rechtzeitig: Bis 1805 nach Plänen Hansens für Georg Friedrich Baur errichtet, wurde es bereits 1868 dem damaligen Zeitgeschmack angepasst und umgebaut. Der Reeder John T. Eßberger sorgte ab 1937 für die Rückführung des Gebäudes in einen nahezu bauzeitlichen Zustand. Wiederhergestellt wurden nicht nur die Loggia zum Garten, sondern auch die Säle und das beeindruckende ovale Treppenhaus. 1966 –1967 von HPP Architekten um einen kubischen Neubau ergänzt, handelt es sich heute um eines der bemerkenswertesten Ensembles am hohen Elbufer.

Wohnhaus des Bürgermeisters u. Etatsrats Joh. Dan. Baur an der Palmaille, Zeichnung/Grafik von Heinrich Lehmkuhl
Innenansicht Baur'sches Haus, Palmaille 49, 1916. Fotografie: Emil Puls

Haus Köhnemann Baujahr 1968–1969

In den späten 1960er Jahren wurde im Norden Hamburgs, auf einem Hanggrundstück direkt am Alsterlauf, ein bemerkenswertes Wohnhaus in moderner Formensprache errichtet. In enger Zusammenarbeit der Architekten von Gerkan und Marg, dem Gartenarchitekten Günther Schulze und dem Bauherrn entstand eine Anlage, in der sich Architektur und landschaftliche Umgebung ideal miteinander verbinden: Das Haus wurde im oberen Teil des Grundstücks errichtet und dabei an die Hanglage angepasst, der Garten terrassiert und mit großen Rasenflächen, Strauchbepflanzungen und geschwungener Wegeführung versehen. Das in einer Mischkonstruktion aus Beton, Holz und Stahl errichtete Haus gliedert sich in mehrere offene und geschlossene Kuben mit Holzverschalungen aus kanadischer Red Ceder und großflächiger Verglasung. Im Untergeschoss befinden sich u. a. Atelierräume und eine Einliegerwohnung, in den oberen Geschossen Wohn- und Schlafräume. Der Bauherr selbst entwarf das individuelle und ideenreiche Innere, das sich, wie der gesamte Bau, nahezu im Originalzustand befindet.

Landhaus am Moorfleeter Deich 359Baujahr Ende 17. Jahrhundert

Von der inneren Stadt, die bis ins 19. Jahrhundert, anders als heute, Arbeits- und zugleich Wohnort war, heißt es noch 1809, das „Durchsommern“ sei „eine wahre Passionszeit“. So wundert es nicht, dass wohlhabende Familien ihren Haushalt samt Personal den Sommer über in ländliche Regionen verlagerten. Seit dem 16. Jahrhundert war „der Billwärder“ – die Stadtteile Billwerder, Allermöhe, Moorfleet – bevorzugtes Landhausgebiet. Städter nutzten vorhandene Bauernhäuser zu ihren Zwecken um, ließen sie baulich erweitern oder gar ein neues Haus bauen – ein stattlicher Garten gehörte üblicherweise dazu. Von der Landhauszeit in den Marschen zeugt als eines der wenigen überlieferten Exemplare das Haus Moofleeter Deich 359. Dem Wohnteil des traditionellen Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert hat der damalige Eigentümer kurz nach 1682 einen zweigeschossigen Querflügel in Fachwerk vorbauen lassen. Dass der städtische Landbewohner gleichwohl Wert auf ein seinem üblichen Lebensstil angemessenes Ambiente legte, bezeugt der große Saal im Obergeschoss; der Eigentümer ließ ihn aufwendig mit Wand- und Deckenmalereien ausstatten.

 

Landhaus am Moorfleeter Deich. Foto: SAGA, Bildarchiv

 

Villa am Harvestehuder Weg 14 Baujahr 1866-1867

Die imposante Villa am Harvestehuder Weg 14 ist wie das Hamburger Rathaus von Martin Haller entworfen worden, einem der prominentesten Architekten der Hansestadt. Er war ein beliebter Baumeister der Hamburger High Society, die sich seit den 1860er Jahren verstärkt entlang der Außenalster ansiedelte, um dort die Vorzüge des citynahen Wohnens und des idyllischen Alstervorlandes zu genießen. Das luxuriöse Wohnhaus – es war eines seiner ersten – errichtete Haller in den Jahren 1866–1867 für den wohlhabenden Kaufmann Joseph Isaac Jaffé auf einem großzügigen Gartengrundstück. Es sind die für Haller typischen Formen der Renaissance, die das Gebäude prägen und die zu jener Zeit den Geschmack weiter Kreise der Oberschicht treffen. Auch 30 Jahre später fand dieselbe Formensprache Verwendung, nachdem das Haus von Eduard Ludwig Behrens, einem vermögenden Bankier, erworben und wieder Martin Haller für die Umbauplanungen gewonnen wurde. Er verstand es, dem Repräsentationsbedürfnis beider Bauherren gerecht zu werden.

Martin Haller

Martin Emil Ferdinand Haller (* 1. Dezember 1835; † 25. Oktober 1925) war ein bekannter Hamburger Architekt. Sein berühmtestes Gebäude in der Stadt ist das Rathaus, an dessen Entwurf er mitwirkte. Haller erfreute sich bei der Hamburger Oberschicht großer Bewunderung und erhielt aus ihren Reihen viele Aufträge. Unter anderem schuf er so auch einige luxuriöse Landhäuser entlang der Alster, darunter die imposante Villa am Harvestehuder Weg 14.

Alstervilla, Harvestehuder Weg 14, 1965. Foto: Zoch
Alstervilla, Harvestehuder Weg 14, 1965. Foto: Zoch