Auf Schmugglerjagd im Hamburger Hafen

Ein Megajob für die Zöllner: Im Hafen werden jährlich fast 140 Millionen Tonnen Waren aus aller Welt umgeschlagen – und längst nicht alles ist legal.

Von Matthias Seeberg

717 Kilogramm Kokain

Kein Hafen ohne Handel und kein Handel ohne Schmuggel. In einem Hafen wie dem in Hamburg, in dem pro Jahr fast 140 Millionen Tonnen an Waren umgeschlagen werden, von denen 90 Millionen in Containern kommen, gehört das Verhindern des illegalen Warenverkehrs zu den wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben der Zollverwaltung. Neben großen Mengen von Produktplagiaten sind es vor allem verbotene Güter wie Drogen, die den Kontrolleuren in immer größerem Umfang in die Hände fallen. Im Januar dieses Jahres gelang es den Zollbeamten, in einem Container im Hamburger Hafen ganze 717 Kilogramm Kokain sicherzustellen – mit Abstand der größte Rauschgiftfund in der Geschichte des hiesigen Zolls.
Werbeanzeige, Collie, 1949.
Werbeanzeige, Collie, 1949.

100.000 gefälschte Parfüms

Zwar hatten sich die Schmuggler große Mühe gegeben, die Drogen zu verstecken. Nachdem sie die Kokainpakete in bleierne Bleiche eingeschlagen hatten, wurden diese zusätzlich in mit Blei ausgekleideten Big Bags verstaut und dann unter Metallschrott versteckt. Aber trotz dieses Aufwands hatten sie die Rechnung ohne die Container-Röntgenanlage des Hamburger Hafens gemacht. Der 60 Meter lange Apparat durchleuchtet ganze Lastwagen samt ihrer Containerladung und lässt die Inhalte sichtbar werden, ohne dass der Container vorher geöffnet werden muss. So konnte im vergangenen Jahr im Zollamt Waltershof mit Hilfe eines solchen Röntgenbildes auch der Schmuggel von mehr als 100.000 gefälschten Parfüms verhindert werden. In diesem Fall versuchten die Täter, die duftende Ware hinter einer Tarnladung von Uhren und Lampen zu verstecken.

Schmuggel in der Römerzeit

Der Schmuggel selbst ist nichts Neues, nur der Umfang scheint proportional mit der Größenordnung des Warenhandels zu wachsen. Einen eindrucksvollen Überblick zur Geschichte des Schmuggelwesens und seiner Verfolgung bietet seit 1992 das Deutsche Zollmuseum, das vom damaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel eröffnet wurde und in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert. Die im Jahr 2008 aktualisierte und mit einer modernen Inszenierung versehene Dauerausstellung widmet sich sowohl der Geschichte als auch dem heutigen Aufgabengebiet der Zollverwaltung. 

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Auf 800 Quadratmetern sind im Gebäude des ehemaligen Zollamts Kornhausbrücke rund eintausend Exponate zu sehen, die um interaktive Elemente sowie Film- und Hörstationen erweitert wurden. In der historischen Abteilung erwartet die Besucher ein Rundgang zur Geschichte des Zolls von der Römerzeit über das Deutsche Kaiserreich bis hin zur Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands. Das Konzept ist von Erfolg gekrönt: Über 1,9 Mio. Gäste haben seit der Eröffnung das Deutsche Zollmuseum besucht. Rund 80 Prozent der Besucher kommen als Touristen, davon 10 Prozent aus dem Ausland. In den 1990er Jahren wurde das Museum sogar als Drehort für die Fernsehserie „SchwarzRot-Gold“ mit Uwe Friedrichsen als Zollfahnder Zaluskowski genutzt.

Auf eigene Faust entdecken

Von den Besuchern besonders geschätzt wird, dass „echte“ Zöllnerinnen und Zöllner durch die Ausstellung führen. „Wir wussten gar nicht, was der Zoll alles macht“, lautet häufig das Resümee. In der Hochsaison, von April bis Oktober, kommen neben den Museumführungen Rallyebögen und Rätselaufgaben für unterschiedliche Altersgruppen zum Einsatz, die es ermöglichen, das Museum auf eigene Faust zu entdecken. Ein weiteres Highlight ist das Zollboot Oldenburg, das seit 2005 im Zollkanal vor dem Museum vor Anker liegt. Für die Betreuung der Gäste an Bord des Museumsschiffes verrichten fünf ehrenamtliche Mitarbeiter Dienst. Sie ermöglichen den Zugang in das Innere des Schiffes und erläutern die Arbeitsabläufe an Bord.

In Zusammenarbeit mit der International Association of Customs Museums (IACM) werden auch über die Grenzen hinaus Projekte realisiert. Zuletzt war dies eine Gemeinschaftsausstellung von Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg mit dem Titel „Schmugglerkleidung von 1850 bis heute“. Die Ausstellung wurde im Zollmuseum in Rotterdam gezeigt und war so spannend inszeniert, dass das Zollmuseum in Hamburg Ausstellungsbausteine für eigene Zwecke übernommen hat.