Hans FörsterDer „Zille“ von Hamburg

Hans Förster ist ein für viele unbekannter Hamburger Maler und Grafiker, der nie dem Zeitgeist folgte. Wir haben ihn wiederentdeckt.

Von Dr. Verena Fink, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Altonaer Museum

In den Museen befinden sich nicht nur Sammlungen großer, namhafter Künstler, sie bewahren auch Werke unbekannter Künstler auf sowie profane Gegenstände, die heutzutage manchmal für Überraschungen sorgen. Dies ist in erster Linie aufmerksamen Direktoren und Museumsmitarbeitern zu verdanken, die diese Bestände durch Ankäufe, Nachlässe oder Schenkungen rechtzeitig für das Haus gesichert haben. Die Sammlung von Hans Förster gehört dazu und gelangte auf diese Weise in die Sammlung des Altonaer Museum.

Hans (Otto Paul Erwin) Förster (1885-1966) war ein Künstler, der zurückgezogen lebte und arbeitete. Im Laufe seines Lebens produzierte er über 100 Druckstöcke, über 5000 Feder- und Tuschezeichnungen, Aquarelle, Farbholzschnitte, Manuskripte, Skizzenbücher, Skizzenzeichnungen und einige Gemälde. Insbesondere seine Werke, die in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg sind beachtenswert. In den 1950er und 1960er Jahren erwarb die Hamburger Kulturbehörde für das Altonaer Museum zu bestimmten Anlässen Bilder und Grafiken von Hans Förster, u.a. zum 70. und 80. Geburtstag des Künstlers, zuletzt den gesamten Nachlass.

Szenen aus dem zoologischem Garten: Feder und Bleistift, um 1904. Altonaer Museum.
Bauernrennen im strömenden Regen: Farbholzschnitt, undatiert, vor 1920.

Hans Förster, Sohn des Malers, Grafikers und Illustrators Johann Hinrich Christian Förster (1825-1902) wurde wie sein Vater Grafiker und Maler, hatte aber nie den Bekanntheitsgrad erreicht, den sein 60 Jahre älterer Vaters schon zu Lebzeiten hatte. Christian Försters Zeichnungen mit überwiegend humorigen Volksszenen aus dem Arbeitsleben, die er in der seit 1848 in Hamburg erschienenen Zeitung "Reform“ veröffentlichte, brachten ihm den Namen "Reform-Förster" ein. Seinem Sohn Hans war diese Beliebtheit leider nicht vergönnt, obwohl sein künstlerisches Talent dem seines Vaters in nichts nachstand. Neben dem Zeichnen und Malen betätigte er sich als Heimatschriftsteller und hatte – wenn auch nur in kleiner Auflage – Bücher mit seinen Texten und Bildern veröffentlicht.

Hans Förster

Hans Otto Paul Erwin Förster (* 9. Februar 1885; † 22. April 1966) war ein deutscher Grafiker, Zeichner und Schriftsteller. Obwohl er im Laufe seines Lebens über 100 Druckstöcke sowie weit mehr als 5000 Feder- und Tuschezeichnungen, Aquarelle, Farbholzschnitte, Manuskripte, Skizzenbücher, Skizzenzeichnungen und einige Gemälde schuf, zählt er eher zu den unbekannten Hamburger Malern. Neben dem Zeichnen und Malen betätigte er sich als Heimatschriftsteller. 

Hans Förster trat mit seiner Berufswahl in die Fußstapfen seines Vaters, Christian Förster (1825-1902), der ebenfalls Maler, Grafiker und Illustrator war. Er erreichte aber nie dessen Bekanntheitsgrad, obwohl er künstlerisch nicht weniger begabt war. Hans Förster erfuhr eine erste handwerkliche Ausbildung durch seinen Vater und studierte an der Hamburger Kunstgewerbeschule. Sein gesamter Nachlass befindet sich im Altonaer Museum.

Hans Förster erfuhr eine erste handwerkliche Ausbildung durch seinen Vater und studierte an der Hamburger Kunstgewerbeschule. Beeindruckt hatten ihn vor allem die Sammlungen Japans und des Jugendstils im Museum für Kunst und Gewerbe. Gleichzeitig richtete er sein Augenmerk auf die Volkskunst, die in und um Hamburg noch bis zum Zweiten Weltkrieg verbreitet war. 1905 lernte er den bedeutenden Grafiker Emil Orlik (1870 – 1932) kennen, der nach ausgedehnten Reisen durch Japan die japanische Farbholzschnitttechnik nicht nur beherrschte, sondern in Deutschland wieder populärer machte. Förster fertigte in dieser Zeit zahlreiche Drucke im Japanstil und auf Japanpapier an. Rund 100 Druckstöcke, mit denen er diese Farbholzschnitte herstellte, sind im Altonaer Museum erhalten. Ab etwa 1915 intensivierte Förster zunehmend – jetzt mit Bleistift, Tusche, Feder und in Aquarell – Studien zur Darstellung des volkskundlichen Lebens im Hamburger Umland. Einen Teil dieser Bilder verwendete er als Illustrationen für seine selbstverfassten Bücher.

 

Seine Mal- und Zeichenversuche in jungen Jahren, die er ebenso aufbewahrte wie alle seine folgenden Werke, offenbaren einen begabten und genauen Beobachter von Mensch, Tier und Natur. Er hatte früh zu seinem Malstil gefunden, den er bis ins hohe Alter kaum noch veränderte.

Eine Hamburg-Skizze: Fleetlaube an der Reimersbrücke, Feder, undatiert.
Ankernde Kutter in der Elbe: Bleistift, undatiert.
Ankernde Kutter in der Elbe: Bleistift, undatiert.

Da ihn der Zeitgeist nicht interessierte, blieb ihm der Erfolg verwehrt

Da ihn der künstlerische Zeitgeist jedoch nicht interessierte, blieb ihm der Erfolg als Künstler verwehrt. Er malte naturalistisch und in Anlehnung an den Jugendstil, heute würde man seine Grafiken als zeitgenössische Dokumentationen bezeichnen. Viele seiner Motive wurden bis ins kleinste Detail festgehalten. Er malte bevorzugt das Hamburger Umland, aber auch die Hamburger Altstadt. Mit seiner Darstellung der Menschen und deren Umfeld wird für den Betrachter der heutigen Zeit auf eindringliche Weise die Veränderung der Umwelt bewusst; seine Motive mit alten Darstellungen, Begebenheiten und Traditionen wirken noch sehr präsent.

Menschen im Kaffeehaus Esplanade: Gouache, undatiert.
Menschen im Kaffeehaus Esplanade: Gouache, undatiert.
Charakterstudien: Feder und Bleistift, um 1904.
Charakterstudien: Feder und Bleistift, um 1904.