Auf den Spuren von Brahms & Co

Klein aber sehr fein: Im Komponisten-Quartier wird die musikalische Geschichte der Stadt lebendig, von Georg Philipp Telemann bis zu Gustav Mahler.

Von Rita Strate

 

Hamburgs Musikleben reicht bis ins Mittelalter zurück und errang in den darauf folgenden Epochen ein hervorragendes Renommée. Im Frühbarock war Hamburg das Zentrum der Kirchenmusik und im 18. Jahrhundert wirkten Georg Philipp Telemann und sein Patensohn Carl Philipp Emanuel Bach als städtische Musikdirektoren am Johanneum und den fünf Hauptkirchen. Ihr Zeitgenosse Johann Adolf Hasse startete in Hamburg seine Karriere als Sänger und wurde zum großen Opernkomponist seiner Zeit. Im 19. Jahrhundert wurden Johannes Brahms und die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn in Hamburg geboren. Gustav Mahler führte als erster Kapellmeister am Hamburger Stadt-Theater das Opernwesen zu einer neuen Blüte. Das Komponisten-Quartier in der Hamburger Neustadt macht diese reiche musikalische Tradition der Hansestadt auf besondere Weise erlebbar.

Historische Objekte, Rauminszenierungen und Medienstationen bieten reichhaltiges Material zum individuellen Erkunden. Zu den Highlights zählt das Modell einer barocken Opernbühne, das einen Blick hinter die Kulissen damaliger Musiktheater erlaubt. Musikinstrumente wie das Tafelklavier, an dem Johannes Brahms einst unterrichtete, ein Clavichord, dem Lieblingsinstrument Carl Philipp Emanuel Bachs, sowie ein wertvolles Spinett, das zur Musik von Georg Philipp Telemann gehört, bringen die Ausstellungsräume zum Klingen. Konzerte und Vorträge im benachbarten Lichtwarksaal ergänzen das Museumsangebot. Außer den sieben Protagonisten des Komponisten- Quartiers finden hier weitere Persönlichkeiten und Themen der Musikstadt Hamburg ein Podium. 2017 soll das Komponisten-Quartier mit den geplanten Ausstellungen für Fanny & Felix Mendelssohn und Gustav Mahler komplettiert werden.

Brahmshaus, Speckstraße, Zeichnung, 1920-1965, Hans Förster.
Brahmshaus, Zeichnung, 1920-1965, Hans Förster.
Brahmshaus, Speckstraße, Zeichnung, 1920-1965, Hans Förster.

Johannes Brahms07.03.1833, Hamburg - 03.04.1897, Wien

Johannes Brahms ist einer der einflussreichsten Musiker und Komponisten der Hochromantik, der als Wegbereiter der Moderne wichtige Impulse für die klassische Musik um und ab 1900 setzte. Geboren wurde Johannes Brahms im Hamburger Gängeviertel als zweites von drei Kindern des Orchestermusikers Johann Jakob Brahms (1806-1872) und seiner Frau Johanna Henrika (1789–1865). Johannes Brahms bekam ab seinem 7. Lebensjahr Klavierunterricht und trat schon bald öffentlich auf. Er wurde außerdem in Musiktheorie unterrichtet und publizierte erste eigene Kompositionen unter Pseudonym. Geld verdiente er zunächst als Pianist und Arrangeur. Uuml;ber die Grenzen Hamburgs hinaus wurde er bekannt, als er 1853 mit dem ungarischen Geiger Eduard Reményi (1828-1898) eine Konzerttournée machte. Auf dessen Vermittlung hin lernte Brahms den Pianisten, Dirigenten und Komponisten Franz Liszt (1811-1886), den Geiger Joseph Joachim (1831-1907) und das Ehepaar Clara (1819-1896) und Robert Schumann (1810-1856) kennen. Mit Joachim verband Brahms eine lang andauernde Freundschaft, er komponierte sein Violinkonzert für ihn. Robert Schumanns Aufsatz „Neue Bahnen“, der im Oktober 1853 in der Leipziger „Neuen Zeitschrift für Musik“ erschien, erklärte Brahms zum kommenden großen Neuerer der Musik. Entsprechend stieg seine Bekanntheit deutlich an. Mit Schumanns Frau Clara verband Brahms eine enge Freundschaft, er unterstützt sie, als ihr Mann in die Nervenheilanstalt eingeliefert wurde und starb. Während Brahms Clara Schumann lebenslang emotional eng verbunden blieb, distanzierte sie sich in der Folgezeit von ihm.

Johannes Brahms (1889), C. Brasch.
Brahms übernahm in Hamburg 1859 die Leitung des Frauenchors und begegnete dem Verleger Fritz Simrock (1837-1901), in dessen Verlag seine Kompositionen seither erschienen. Ab 1862 verlagerte sich Brahms’ Arbeits- und Lebenszentrum zusehends nach Wien, 1872 siedelt er endgültig dorthin um. Er war so erfolgreich, dass er freischaffend leben konnte, übernahm aber doch 1872-74 die Leitung des Wiener Singvereins, 1886 wurde er zum Ehrenpräsidenten des Wiener Tonkünstlervereins. 1897 starb er an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Johannes Brahms hat unter anderem 4 Sinfonien komponiert, zahlreiche Lieder und Chorsätze, das „Deutsche Requiem“, 2 Klavier- und ein Violinkonzert/e sowie Kammermusik und Orgelwerke. In der Musikgeschichte gilt er als Komponist der Hochromantik. Er fungiert als Vermittlerfigur zwischen der späten Wiener Klassik, indem er an Ludwig von Beethovens stilistische Entwicklungen anschloss, und der 2. Wiener Schule, die Brahms’ als wegweisend in der Zusammenführung von Harmonik und thematischer Arbeit wahrnahm. Seine Hinwendung zu traditionellen Weisen und deren Verarbeitung (Ungarische Tänze) sowie seine Nähe zu den Tanzmusikern seiner Zeit haben durchaus Einfluss z.B. auf Gustav Mahlers Symphonik genommen. Ablehnend stand Brahms der sog. Neuen Deutschen Schule um Richard Wagner (1813-1883), dem späteren Franz Liszt und Hector Berlioz (1803-1869) gegenüber.