Cäsar Pinnau

Zum Werk eines umstrittenen Architekten

Der Hamburger Architekt Cäsar Pinnau (1906-1988) war international tätig und stilistisch äußerst vielseitig. Seine Auftraggeber zählten zu den führenden Akteuren in Wirtschaft und Politik. In der Zeit des Nationalsozialismus war er im Auftrag von Albert Speer an der Innengestaltung der Neuen Reichskanzlei und an den städtebaulichen Planungen zur Berliner Nord-Süd-Achse beteiligt. Nach 1945 erlangte er Bekanntheit als Gestalter von Luxusyachten sowie von Wohn- und Geschäftsbauten bedeutender Unternehmer der Wirtschaftswunderzeit.

1921-1930: Ausbildung als Tischler und Innenarchitekt

Cäsar Pinnau wurde 1906 in Hamburg als Sohn einer Tischlerfamilie geboren. Er absolvierte eine Lehre im väterlichen Betrieb, die er 1925 mit der Gesellenprüfung abschloss. Die Zeichnungen aus der Lehrzeit belegen sein Interesse an Innenarchitektur. Sie zeigen Einzelmöbel, aber auch komplette Zimmereinrichtungen. Nach zwei Jahren als Angestellter im erlernten Berufsfeld nahm Pinnau 1927 ein Studium der Innenarchitektur an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in München auf, als Gasthörer für bautechnische Fächer auch an der Baugewerkeschule in München. Schon als Student gewann er mit seinen Möbelentwürfen einen Wettbewerb und konnte einige Zeichnungen in renommierten Zeitschriften veröffentlichen. Dennoch musste er 1930 aus wirtschaftlichen Gründen das Studium ohne Abschluss beenden. Seine Arbeiten aus der Ausbildungszeit machen deutlich, dass er das gesamte Spektrum der damals gefragten Wohnstile beherrschte: von einer modernen Sachlichkeit bis hin zu historisierenden Gestaltungen.

 

Pinnaus Innenräume zeigen Einrichtungen für einen gehobenen Lebensstil, der in Zeitschriften wie »Moderne Bauformen« oder »Farbige Raumkunst« in Zeichnungen und Fotografien weite Verbreitung fand. 1930 erhielt Pinnau 80 Mark für die Entwurfszeichnung »Schlafzimmer der Dame«, die 1931 in »Moderne Bauformen« veröffentlicht wurde. Cäsar Pinnau – »Schlafzimmer der Dame im Landhaus« | 1929 Bleistift, Aquarell, signiert »Cäsar Pinnau – Hamburg.« und »Pinnau« (im Motiv) 27,8 x 35,5 cm, HAA M28/02
Während seiner Lehrzeit besuchte Pinnau die Staatliche Fachgewerbeschule in Hamburg. Es entstanden Zeichnungen von Rauminterieurs wie das grüne Speisezimmer. Der Auszubildende erschuf auf dem Papier ein vollständiges Raumensemble mit Möbeln, Vorhängen, Teppich und Tapeten. Cäsar Pinnau – Speisezimmer | 1924 Bleistift, Buntstift und Wachskreide, datiert »Ostern 1924.« und signiert »C. Pinnau.« 24,7 x 32,3 cm, HAA M01/24
Pinnau greift Tendenzen einer sachlichen Moderne auf, in der helle Räume mit frei kombinierbaren Einzelmöbeln statt einheitlichen Möbelgarnituren eingerichtet werden. Für das Wohnzimmer mit Bibliothek entwirft er vier Stuhlvarianten an schlichten geometrischen Tischen. Das Blatt ist nicht datiert. Somit lässt sich nicht bestimmen, ob es noch während der Studienzeit oder bereits im Büro Breuhaus entstanden ist. Cäsar Pinnau – Wohnzimmer mit Bibliothek | um 1930 Bleistift, Aquarell, bezeichnet auf Passepartout »unvollendet« 42,2 x 59 cm, HAA M25/03

1930-1937: Angestellter Architekt im Büro Breuhaus

Als angestellter Architekt trat Cäsar Pinnau 1930 in das Büro von Fritz August Breuhaus de Groot (1883-1960) ein, der damals einer der gefragtesten Gestalter und Architekten seiner Zeit war. Seine Interieurs und Wohnhäuser für exklusive Privatkunden waren Vorbilder für eine moderne und reformorientierte Wohnkultur. Mit klarer Linienführung, kostbaren Materialien und ungewöhnlichen Farbakkorden vermittelten die Entwürfe aus dem Büro Breuhaus den Eindruck sachlicher, aber dennoch luxuriöser Wohnlichkeit. Diese Prinzipien fanden auch bei Gestaltungsaufträgen für moderne Verkehrsmittel Anwendung, für die Breuhaus bekannt war: die Erste Klasse auf dem Schnelldampfer „Bremen“ 1928 oder die ab 1930 entworfenen Passagierräume im Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“. 
Der Anteil von Cäsar Pinnau an den Aufträgen von Breuhaus de Groot ist jedoch nur selten genau zu bestimmen. Die Zeichnung für ein Ferienhaus auf Mallorca beispielsweise wurde unter Breuhaus‘ Namen in einer Zeitschrift veröffentlicht, ist aber nachweislich von Pinnau gezeichnet worden. 
Cäsar Pinnau Entwurf für eine Chaiselongue | 1933 Bleistift und Aquarell, signiert »Pinnau.« 16,5 x 25,1 cm, HAA M02/72
Cäsar Pinnau, Stuhlentwurf: Stahlrohrsessel, 1931, Bleistift auf Transparentpapier, 32 x 24 cm, HAA M02/47

 

 

 

.

1937-1945: Eigenes Architekturbüro mit Aufträgen von Albert Speer

Neue Reichskanzlei

1937 lernte Cäsar Pinnau Albert Speer kennen und trat in die NSDAP ein. Nach Gründung eines eigenen Architekturbüros in Berlin übernahm er erste Aufträge für die Machthaber des NS-Regimes. 

Die Neue Reichskanzlei war der Berliner Amtssitz von Adolf Hitler in seiner Funktion als Reichskanzler, Reichspräsident und Parteiführer. Zugleich diente sie der Repräsentation und Machtdemonstration des NS-Staates. Cäsar Pinnau hatte wesentlichen Anteil an der Inneneinrichtung. 

Als Erweiterung zum Kanzleigebäude der Weimarer Republik erstreckte sich der Neubau auf 420 Meter entlang der Voßstraße. Am 9. Januar 1939 feierte die NS-Propaganda die Fertigstellung des Gebäudes. Von Albert Speer erhielt Pinnau 1938 den Auftrag für die Verwaltungsräume der drei Behörden „Reichskanzlei“, „Präsidialkanzlei“ und „Kanzlei des Führers der NSDAP“. Albert Speer selbst entwarf eine Folge von repräsentativen Räumen, die den Besucher über lange Galerien zu „Hitlers Arbeitszimmer“ und einem Empfangssaal für Staatsgäste führte. 

 

 

 

.

 

 

 

.

Cäsar Pinnau – Neue Reichskanzlei, Großer Sitzungssaal | 1939 Fotografie: Farben-Foto-Atelier M. Müller & Sohn KG. 28,4 x 38,1 cm, HAA M034/02

Nord-Süd-Achse

Die Nord-Süd-Achse war das Zentrum der Neugestaltungspläne für Berlin und Ausdruck der Herrschaftsansprüche des NS-Regimes. An der Achse sollten bedeutende Repräsentationsbauten angesiedelt werden: Ministerien, Firmensitze und Hotels. Unter der Leitung von Albert Speer als „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ arbeiteten zahlreiche „beauftragte Architekten“. So auch Cäsar Pinnau, der als Auftragnehmer von Albert Speer ab 1938 drei Hotels, Thermen und Theater sowie ein Regierungsgebäude entwarf. Das nicht ausgeführte Großprojekt hätte das Stadtbild komplett zerstört und alle bekannten Dimensionen übertroffen. Bereits im Planungsstadium wurden Häuser abgerissen. Für den Umzug der „Abrissmieter“ in neue Wohnungen wurden auf Initiative von Albert Speer Berliner Juden aus ihren Wohnungen vertrieben und ab 1941 deportiert. Die Neugestaltung Berlins war Teil des Unrechtssystems des NS-Staates.

1945-1950: Neuanfang in Hamburg

Im April 1945 verließ Cäsar Pinnau Berlin und verlegte seinen beruflichen Schwerpunkt nach Hamburg. Wegen seiner Tätigkeit für Albert Speer schloss ihn die britische Militärregierung im November 1945 von einer Professur an der Landeskunstschule in Hamburg aus. In einer zweiten Stufe seines Entnazifizierungsverfahrens wurde er 1946 in die „Kategorie V“ als „entlastet“ eingestuft und durfte als selbständiger Architekt arbeiten.

Öffentliche Aufträge erhielt er nach 1945 nicht mehr. Insbesondere unter Berufskollegen galt er als politisch umstrittener Architekt. Stattdessen wurde er ausschließlich für private Bauherren tätig und gestaltete Wohnhäuser, Schiffe, Fabriken und Büros.

Cäsar Pinnau, Wohnhaus Bernhard Weber in Hamburg, Gartenansicht, Fotografie: Erich Balg, 1948
Cäsar Pinnau, Hansa Bank in Hamburg, Treppenhaus mit Pförtnertresen
Cäsar Pinnau, Hansa Bank in Hamburg, Treppenhaus mit Pförtnertresen, Fotografie: Erich Balg, 1948-1950
Cäsar Pinnau, Hotelschiff „Seute Deern“ der Reeder John T. Essberger, Kabine, 1948
Cäsar Pinnau, Hotelschiff „Seute Deern“ der Reeder John T. Essberger, Kabine, 1948
Norddeutsche Glycerin und Fettsäurewerke Friedrich Thörl in Hamburg-Bergedorf, 1948-1951
Norddeutsche Glycerin und Fettsäurewerke Friedrich Thörl in Hamburg-Bergedorf, 1948-1951

1950-1988: Aufträge in Hamburg, Deutschland und der Welt

Um 1950 hatte sich Cäsar Pinnau in Hamburg als gefragter Architekt für private Bauherren etabliert. In enger Abstimmung mit den Vorlieben seiner Auftraggeber realisierte er Wohnhäuser, Schiffe, Fabriken und Bürogebäude. Über Jahrzehnte verfolgte er zumeist einen traditionsgebundenen Stil, der nur selten auf den Zeitgeist reagierte. Moderne Gestaltungsformen finden sich dagegen bei seinen Fabrik- und Geschäftsbauten.

Pinnau war bevorzugt für die Reichen und Mächtigen tätig und erfüllte deren Wünsche nach Gediegenheit und Repräsentation. Nach 1950 weitete er sein Tätigkeitsfeld über Hamburg hinaus aus. Seine wichtigsten Auftraggeber waren Aristoteles Onassis und Rudolf-August Oetker. Für beide erfüllte er weltweit und über Jahrzehnte hinweg sämtliche Gestaltungsaufgaben: für Onassis die Yacht „Christina“ und den „Olympic Tower“; als Konzernarchitekt für Oetker die Schiffe und den Hauptsitz der „Hamburg Süd“, Privathäuser, Fabriken und Bürobauten.

Cäsar Pinnau mit Aristoteles Onassis auf der Jacht »Christina«, Probefahrt in Kiel | 1954, HAA A78/01/0

 

Der griechische Reeder und Unternehmer Aristoteles Onassis war für seinen glamourösen Lebensstil bekannt. Mit seiner Tanker-Flotte hatte er ein großes Vermögen erworben. Seine 1952 in Hamburg gegründete Firma „Olympic Maritime AG“ vergab Groß-Aufträge an deutsche Werften. 1972 beauftragte er den Bau des „Olympic Tower“, eines der teuersten Wohnhochhäuser New Yorks.

Rudolf-August Oetker mit dem Kunsthändler und Antiquar Paul Herzogenrath und Cäsar Pinnau bei einem Stapellauf. Familienarchiv Pinnau, München

Rudolf-August Oetker übernahm 1944 die Führung des Familienunternehmens „Dr. August Oetker Nahrungsmittelfabrik“. In der Nachkriegszeit wandelte Oetker das Unternehmen in einen Mischkonzern um und kaufte Brauereien und Sektkellereien auf. 1955 übernahm er die Reederei „Hamburg Süd“, an der das Unternehmen bereits seit 1936 große Anteile hielt. Außerdem engagierte er sich in der Luxus-Hotellerie.

 

 

Frachtschiffe

In den 1950er und 1960er Jahren galt Cäsar Pinnau als einer der führenden Architekten im deutschen Schiffbau. Ab 1950 gestaltete er Frachtschiffe mit Passagiertrakten für die Reederei „Hamburg Süd“, Cäsar Pinnaus bekannteste Arbeiten für die Reederei „Hamburg Süd“ sind die Santa-, Cap-, und Cap-San-Schiffe, von denen das heute bekannteste die Cap San Diego ist. Alle waren Kombischiffe: Frachter, die einer kleinen Anzahl Passagieren Annehmlichkeiten für längere Reisen boten. Obwohl Pinnau in einigen Fällen am Entwurf der äußeren Gestalt der Schiffe entscheidend beteiligt war, lag sein Schwerpunkt auf der Innenausstattung, die repräsentative Wohnlichkeit für äußerst wohlhabende Passagiere vermitteln sollte.

 

 

Cäsar Pinnau, Frachtschiff der Santa-Klasse | 1952, Bleistift und Buntstift auf Transparentpapier, 45 x 84 cm, HAA P040

 

 

Cäsar und Sibylle Pinnau im Salon der »Santa Ursula« am Tag der Probefahrt 24. März 1951
Cäsar und Sibylle Pinnau im Salon der »Santa Ursula« am Tag der Probefahrt 24. März 1951
Passagiere und Hafenarbeiter am Kai des Frachtschiffes »Cap San Augustin«, um 1965, Hamburg Süd-Archiv
Passagiere und Hafenarbeiter am Kai des Frachtschiffes »Cap San Augustin«, um 1965, Hamburg Süd-Archiv
»Cap San Diego«, Bar | 1962, Hamburg Süd-Archiv
»Cap San Diego«, Bar | 1962, Hamburg Süd-Archiv
Frachtschiff »Santa Ursula« – Rauchsalon, Fotografie, 15,3 x 22,4 cm, HAA 141
Frachtschiff »Santa Ursula« – Rauchsalon, Fotografie, 15,3 x 22,4 cm, HAA 141

 

 

Wussten Sie, dass die Cap San Diego eine Fußballmannschaft hatte und gern am Seekicker-Pokal teilnahm?

Die Cap San Diego als Museumsschiff an der Überseebrücke in Hamburg, 2014, Foto Oliver Heissner
Die Cap San Diego als Museumsschiff an der Überseebrücke in Hamburg, 2014, Foto Oliver Heissner

Yachten

Cäsar Pinnau, Motoryacht für den Scheich von Kuwait, 1961, Foto Hamburgisches Architekturarchiv
Cäsar Pinnau gestaltete Luxusyachten für seine prominenten Auftraggeber. Der Fokus lag stets auf einer möglichst repräsentativen Inneneinrichtung, deren Stilwelt ganz nach Kundenwunsch entwickelt wurde. Die „Christina“ für Aristoteles Onassis machte Pinnau nach der Fertigstellung 1954 schlagartig international bekannt. Stavros Niarchos, ein direkter Konkurrent von Onassis, und der Scheich von Kuwait zählten anschließend zu seinen Kunden.

Von 1952 bis 1954 wurde in Kiel die kanadische Fregatte „Stormont“ nach Cäsar Pinnaus Entwürfen zu einer Yacht für Aristoteles Onassis umgebaut. Die „Christina“ erlangte rasch Berühmtheit als schwimmender Palast und Treffpunkt für Prominente. Die Baukosten für das mit exklusiven Materialien und kostbaren Einrichtungsgegenständen ausgestattete Schiff lagen bei etwa zehn Millionen Mark. Cäsar Pinnau und seine Frau waren häufig an Bord zu Gast. 
Bild
Yacht Christina für Aristoteles Onassis, Bar, 1953, Foto Hamburgisches Architekturarchiv
Motoryacht 1053, Atlantis, 1968-1973, Atlantis auf ruhiger See, Hamburgisches Architekturarchiv, Bestand Cäsar Pinnau, Unbekannter Fotograf
Yacht Christina für Aristoteles Onassis, Gameroom, 1953, Foto Hamburgisches Architekturarchiv
Cäsar Pinnau Innenausstattung für das Luftschiff L.Z. 129 “Hindenburg”, Halle und Steuerbordpromenade, Hamburgisches Architekturarchiv, Bestand Cäsar Pinnau

Bürogebäude

Anders als bei zeitgleich entstandenen Wohnhäusern und Schiffseinrichtungen wandte Cäsar Pinnau bei Fabriken und Bürobauten die Formensprache der Moderne an: Glasvorhangfassaden sowie Konstruktionen aus Beton und Stahl. Von 1958 bis 1964 wurde nach Cäsar Pinnaus Entwürfen der Hauptsitz der Reederei „Hamburg Süd“ in Hamburg errichtet.

Das Hochhaus war eines der ersten in Deutschland mit Glasvorhangfassade und Klimaanlage. Auf Wunsch des Bauherrn Rudolf-August Oetker lehnte Pinnau seinen Entwurf stark an das 1951 erbaute Lever House von Skidmore, Owings and Merrill in New York an.

Es folgten 1970 der Olympic Tower in New York und 1988 das Bürogebäude der Condor-Versicherung.

 

Cäsar Pinnau, Hamburg Süd-Hochhaus | 1958 – 1964 Fotografie: Oliver Heissner 2014
Cäsar Pinnau, Hamburg Süd-Hochhaus | 1958 – 1964 Fotografie: Oliver Heissner 2014
Cäsar Pinnau, Olympic Tower New York | 1970, HAA P425

Fabrikgebäude

Der allergrößte Teil der von Cäsar Pinnau geplanten Fabrikanlagen entstand für Firmen von Rudolf-August Oetker. Jedoch war Pinnau auch für andere Bauherren tätig. Für die Gründer von Tchibo-Kaffee beispielsweise entwarf er ein klar gegliedertes Fabrikgebäude mit Glasfassade und markantem Vordach. 

Die von Cäsar Pinnau entworfenen Lebensmittel-Fabriken waren Aushängeschilder für die Modernität und Effizienz ihrer Produktionsmethoden. Große gerasterte Glasfassaden gewährten Einblick auf die Apparaturen im Inneren: Quellkessel bei der ab 1959 von Pinnau umgebauten Nahrungsmittelfabrik Dr. Oetker in Hamburg-Hammerbrook oder Braukessel bei den Binding-Brauereien in Deutschland und den Prinz-Brauereien in Italien. Häufig waren die Fassaden mit gelben Fliesen verkleidet, die zu einem Markenzeichen des Oetker-Konzerns wurden.

 

Tchibo-Werk in Hamburg, Schauzeichnung von Ernst Eissner für das Büro Cäsar Pinnau, 1963, Foto Hamburgisches Architekturarchiv
Stärkesilo der Nahrungsmittelfabrik Dr. Oetker, Hamburg-Hammerbrook, Schauzeichnung auf dem Umschlag der Firmenzeitung »Der helle Kopf« | 1959. Hamburg Süd-Archiv
Cäsar Pinnau, Nahrungsmittelfabrik Dr. Oetker Berlin, Fotografie: Liselotte und Armin Orgel-Köhne, 1960/61
Cäsar Pinnau, Nahrungsmittelfabrik Dr. Oetker in Hamburg-Hammerbrook, Fotografie: Oliver Heissner 2014, 1960
Cäsar Pinnau, Brauerei Prinz-Bräu in Crespellano / Italien, 1964


Wussten Sie, dass Pinnau 1974 eine Brauerei für Prinz Bräu in Alaska baute?

Villen

Für wohlhabende Bauherren plante Cäsar Pinnau Wohnsitze in den besten Lagen: in Hamburg an der Elbchaussee, in Blankenese und an der Alster. Der Architekt realisierte Villen im traditionellen Stil nach Vorbildern im Klassizismus um 1800 sowie im Stil seines früheren Arbeitgebers Fritz August Breuhaus de Groos.

Türkisfarbene Fensterläden, schlanke Säulen und kleinteilige Sprossenfenster wurden zu Markenzeichen. Die Villen dienten vor allem der Repräsentation. Ihre Grundrisse waren häufig unpraktisch. Cäsar Pinnau arbeitete eng mit seinen Auftraggebern zusammen und erfüllte deren Wünsche. Das Haus Schliemann beispielsweise lehnte sich eng an skandinavische Vorbilder an, obwohl Pinnau moderne Bauformen für Wohnhäuser als ungeeignet empfand.

 

Cäsar Pinnau, Wohnhaus Schliemann in Hamburg-Blankenese | 1956 / 1958, Fotografie: Dorfmüller Klier 2015

Haus Schliemann

Für Erich Schliemann entwarf Pinnau nach den Wünschen seines Auftraggebers keine klassizistische Villa, sondern ein Haus in modernen Formen in Anlehnung an die skandinavische Architektur. Pinnau und Schliemann reisten nach Dänemark, um sich am Strandvejen bei Kopenhagen Häuser von Arne Jacobsen oder Finn Juhl anzusehen. 

 

Cäsar Pinnau, Wohnhaus Ritter in Hamburg-Uhlenhorst | 1950/52, Ansicht Gartenseite, Fotografie: Erich Balg, HAA A10/03/06

Haus Ritter

»Südliches Haus im Norden« betitelte die Zeitschrift »Film und Frau« einen Bericht über das Wohnhaus Ritter. Das Haus in Hamburg-Uhlenhorst realisierte Cäsar Pinnau 1950 für den Zigaretten-Fabrikanten Wolfgang Ritter. Der Architekt plante auch die konservativ-gediegene Einrichtung mit Antiquitäten und selbst entworfenen Möbeln. 1999 wurde das Haus abgerissen. 

Cäsar Pinnau, Haus Pinnau an der Elbchaussee | 1950/51, Straßenfront, HAA A11/05/01

Eigenes Wohnhaus an der Elbchaussee

Sein erstes eigenes Wohnhaus in Hamburg realisierte Pinnau 1950/51 als persönliche Visitenkarte. Als Gastgeber konnte er potenzielle Auftraggeber zu sich nach Hause einladen und ihnen einen Einrichtungsstil zeigen, der dem Repräsentationsbedürfnis der Hamburger Gesellschaft entsprach.
 

Cäsar Pinnau, Haus Pinnau in Baurs Park | 1986, Gartenansicht, Fotografie: Oliver Heissner

Eigenes Wohnhaus in Baurs Park

1986 baute Cäsar Pinnau ein letztes Wohnhaus für sich und seine zweite Ehefrau Ruth. Klassizistisch und zeitlos zugleich vereinte es seine ästhetischen Vorstellungen von einem gehobenen Lebensstil und diente der eigenen Selbstdarstellung. Funktionale Aspekte im Inneren spielten keine Rolle. Das Haus im Baurs Park wurde später verändert: Moderne Glaskuben wurden seitlich angebaut. 

Die Ausstellung "Cäsar Pinnau. Zum Werk eines umstrittenen Architekten" fand vom 28. September 2016 bis 25. Juni 2017 im Altonaer Museum statt.