Blankenese

Nizza an der Elbe

Hamburgs Villenviertel Nr. 1 war einst ein armes Fischerdorf, erst im 19. Jahrhundert wurde Blankenese zu einem kleinen Nizza an der Elbe. Eine spannende Spurensuche.

Von Dr. Nicole Tiedemann-Bischop, Leiterin des Jenisch Hauses

Blankenese kennt jeder. Weit über Hamburgs Grenzen hinaus, ob im In- oder Ausland, vom malerisch über der Elbe thronenden Refugium der Reichen und Schönen hat man überall schon gehört. Im Westen Hamburgs gelegen gilt der Stadtteil vielen als ein Ort mit paradiesischen Grünanlagen und unerreichbaren, geheimnisvollen Villen, mit idyllischen Promenaden und südländischem Flair – ein Garten Eden der Genüsse und des bequemen Lebens. Als ein Ort, an dem die vorbeiziehenden Schiffe in den Gemütern der Beobachter die Sehnsucht nach dem Fremden und Freien in der Ferne wecken. Einer Ferne, die stets mit Abenteuern und dem Ausbruch aus dem Alltag lockt.

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Blankeneser Fischer, Johann Jacob Gensler, Zeichnung (Bleistift), Aquarell, 1837

Das Zusammenspiel zwischen Natur- und Kunstschönem, das sich in diesem Stadtteil auf spielerisch elegante Weise ereignet, hat dem Ort zu einem einzigartigem Ruf verholfen: Fischerdorf, Künstlerszene und High Society gehen hier eine Allianz des Schönen und Urwüchsigen ein. Unter dem Pflaster liegt immer noch der Strand.

Wenn man sich der Geschichte des früheren Dorfes Blankenese nähert, stößt man auf eine Vielzahl schriftlicher Quellen. Eine der frühen schriftlichen Abhandlungen ist der 1787 angefertigte Provinzialbericht, indem das Fischerdorf Blankenese, vor allem aber auch das „daselbst getriebene Fischereigewerbe“, einer gründlichen Untersuchung unterzogen wird. Zu dieser Zeit begannen sich begüterte Auswärtige bereits nahe Blankenese großartige Landhäuser zu bauen. Hierüber berichtet hundert Jahre später Richard Ehrenberg in seinem 1897 erschienenen Bändchen „Aus der Vorzeit von Blankenese“. Das Buch gibt zudem Hinweise auf frühe schriftlichen Quellen in den Staatsarchiven, die mit dem Ort Blankenese in Verbindung gebracht werden können. Die erste urkundliche Erwähnung des Namens „Blancke Neeß“ ist auf 1301 datiert und aus den frühen Urkunden geht hervor, dass die Blankeneser als Fischer und Fährknechte tätig waren. Neben dem Fischereigewerbe war es aber vor allem die Elbfähre, die für wirtschaftlichen Aufschwung sorgte.

Als die Ochsen mit der Fähre fuhren

Wichtigstes Dokument für die Geschichte der Blankeneser Fähre ist die Urkunde vom 31. Dezember 1301, in der der Ort und die Fähre erwähnt wurden. Zur Zeit der Hanse nutzten die Kaufleute neben den Seewegen den alten Heerweg von Dänemark nach Holland. Sie querten die Elbe mit der Fähre, die zur wichtigen Einnahmequelle für die Pächter wurde. Von 1480 bis 1730 wuchs dadurch ein weiterer Geschäftszweig heran: der Transport von Ochsen. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der Postverkehr von Hamburg über Bremen nach Amsterdam. 1773 kam es zu Streitereien zwischen Hamburg und Dänemark.

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Infolge der Zwistigkeit sperrte Dänemark die Postlinie zwischen Altona und Blankenese. Nach Verlegung der Postlinie beschränkte sich der Fährverkehr auf den Transport von Passagieren, bis 1842 an Stelle des alten Fähranlegers ein Landungsplatz für Dampfschiffe errichtet wurde.

Wie die Schiffer Schmuggel trieben

Fruchtjager

Fruchtjager wurden Handelsschiffe genannt, die ab 1830 mit Zitrusfrüchten von Sizilien, Venedig oder Neapel nach Rotterdam, Hamburg, Bremen und St. Petersburg fuhren. Wegen der leicht verderblichen Fracht musste mit hohem Tempo gesegelt werden. Die Fruchtjager konnten ca. 1500 Kisten Ladung in 30 Tagen von Sizilien nach Hamburg bringen.

Ab 1640 nahm die seit 1535 für Blankenese aktenkundige Fischerei einen ungeahnten Aufschwung. Der Ort wurde zu einem der einträglichsten Fischerdörfer in der Grafschaft Pinneberg. Die Blankeneser Fischer betätigten sich Ende des 18. Jahrhunderts im Nebenberuf immer häufiger als Lotsen. Ab 1795 begannen sie, ihre Ewer für den Frachtverkehr zu nutzen und liefen holländische und englische Häfen an. Wegen der durch Napoleon verhängten Kontinentalsperre wurde der Handel mit England ab 1806 unterbunden. Großbritannien verbot seinerseits allen neutralen Schiffen das Anlaufen französisch besetzter Häfen. Die Blankeneser Schiffer mussten sich deshalb bis 1814/1815 auf den Handel mit Dänemark beschränken, wagten jedoch gelegentlich den Durchbruch der Handelsblockade und betrieben Schmuggel. Ab 1830 fuhr man mit Zitrusfrüchten von Sizilien, Venedig oder Neapel nach Rotterdam, Hamburg, Bremen und St. Petersburg. Wegen der leicht verderblichen Fracht musste mit hohem Tempo gesegelt werden. Die „Fruchtjager“ konnten ca. 1500 Kisten Ladung in 30 Tagen von Sizilien nach Hamburg bringen. Ab 1849 wurden immer entferntere Häfen angelaufen. Vor allem Lateinamerika bekam eine große Bedeutung. Von 1884 bis 1916 hatte Kapitän Matthias Struve als einziger Blankeneser eine Dampfschiffreederei.

1842 erreichte die Blankeneser Handelsflotte eine Größe von 243 Schiffen. Es fuhr beinahe jeder männliche Bewohner des Ortes im Alter von 14 bis 60 Jahren zur See. Eine Mannschaft setzte sich aus Kapitän, Steuermann, Bootsmann, Koch, zwei Matrosen, ein bis zwei Leichtmatrosen und ein bis zwei Schiffsjungen zusammen. Auf den Schiffsporträts werden die dargestellten Personen in ihrer Funktion an Deck gezeigt. Die Blankeneser ergriffen den Beruf des Seefahrers aus Tradition und wegen der Aufstiegschancen, die man als junger Mensch mit Schreib- und Rechenkenntnissen hatte. Zudem gab es für Kapitäne Nebenverdienstmöglichkeiten, z. B. durch den Verkauf von geborgenen Wrackteilen. Der Schiffer und spätere Lotse Hans Meyer berichtet, wie er zur Seefahrt kam: „[Nach der Konfirmation] hieß es, was willst du werden. Wie nicht anders zu erwarten, wählten wir den Beruf unserer Väter und Voreltern, nämlich: Zur See. Der Trieb nach fernen Ländern lag uns im Blut, wer könnte es meistern! Widerstrebend gaben mir meine Eltern ihre Einwilligung. War ich doch, neben zwei Schwestern, der einzige Sohn, und nicht gerne mochten sie mich den Gefahren der See preisgeben.“

 

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Neben der Schifffahrt prägten die Zulieferbetriebe das Gesamtbild von Handel und Gewerbe in Blankenese. So gab es im Ort verschiedene Werften. Die bedeutendste war die von Jochim Finck. Sie wurde um 1840 gegründet und lag auf dem Grundstück des Falkensteiner Ufers Nummer 4. Hier baute J. Finck bis in die 1870er Jahre hinein eine beträchtliche Anzahl von Schiffen und führte auch Reparaturen aus. Neben den Werften existierten seit dem Beginn der Schifffahrt Ende des 18. Jahrhunderts Segelmacherwerkstätten. Während die Männer das Geld mit der Seefahrt verdienten, mussten sich die Ehefrauen allein um das Haus, die Kinder und den außerhalb liegenden, sogenannten Kohlhof kümmern. Einige Frauen suchten sich zusätzlich einen Nebenverdienst. Die Kapitänsfrau Anna Schuldt eröffnete beispielsweise um 1885 das „Gartencafé Schuldt“. Wenn die Männer auf See blieben, waren die Witwen gänzlich auf sich gestellt und darauf angewiesen, einen neuen Ernährer zu suchen – allerdings nach Einhaltung der gebührenden Trauerzeit von zwei bis vier Jahren.

Als die Reichen den Ort entdeckten

Noch bevor die ersten Landhäuser in Blankenese erbaut wurden, erwarben immer mehr Altonaer und Hamburger Kaufleute sowie Emigranten aus den Niederlanden Bauernhöfe in Dockenhuden, das erst seit 1919 zu Blankenese gehört. Das älteste Herrenhaus stammt von Anfang des 17. Jahrhunderts, erbaut von Graf Ernst von Schauenburg und unter anderem bewohnt von Julio de Moer. Eine nahe gelegene, erste größere Ziergartenanlage entsteht vermutlich unter dem Kaufmann Johann Behrend Rodde. In die Parkanlage wurde aus dem ursprünglichen, ländlichen Bewuchs eine Allee übernommen, die auch heute noch erkennbar ist. Das geht aus der Landkarte von dem Gebiet um Dockenhuden hervor, die 1789 anlässlich einer Bodenreform aufgenommen wurde. Von Roddes Erben erwarb der Kaufmann Johan César IV. Godeffroy das Landstück und ließ sich 1789 ein Herrenhaus von dem Architekten Christian Frederik Hansen errichten. Das umliegende Gelände trägt heute den Namen „Hirschpark“, was auf das von dem Enkel Johan César VI. Godeffroy angelegte Hirschgehege zurückzuführen ist. Johan César IV. Godeffroys Vorbild folgten viele reiche Bürger aus Altona und Hamburg, u.a. Peter Godeffroy, der 1790/91 in der Nachbarschaft des Bruders das „Weiße Haus“ bauen und seinen Park von Daniel L. Jacob gestalten ließ.
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Warum Parks und Gärten „englisch” wurden

Der „Hessepark“ hat seinen Namen vom letzten Besitzer des Geländes, Georg Heinrich Hesse, einer der Mitbegründer der Commerzbank. 1876 erwarb Hesse den Park, der 1926 an die Landgemeinde Blankenese verkauft wurde. Ursprünglich gehörte das Gelände jedoch ab 1799 dem Hamburger Kaufmann Rütger Heinrich Klünder, der den Park anlegte. Nach 1926 wurde der Besitz aufgeteilt und verkauft. Mitte der 1850er Jahre erwarb der Hamburger Senatssyndikus Carl Hermann Merck das Gelände. Auf dem Krähenberg wurde um 1841 durch die Familie Roß mit großen Mühen eine Parkanlage im englischen Stil angelegt. Sie bewohnten das durch C. F. Hansen für John Blacker entworfene Landhaus. Heute ist der Park nach den letzten Besitzern aus dem Hanseatengeschlecht Goßler benannt. 

Eine weitere der berühmten zu dieser Zeit angelegten Parkanlagen im Stil des englischen Landschaftsgartens war die von Konferenzrat Georg Friedrich Baur. Sie wurde von Joseph Jaques Ramée gestaltet, das Herrenhaus, erbaut 1829 bis 1839, von Johann Matthias Hansen (dem Neffen von F. C. Hansen). 1922 wurde es an L. R. Müller verkauft, der es nach seiner Tochter zum „Katharinenhof“ umbenannte. Der Römische Garten oberhalb des Falkensteiner Ufers, der von 1880 bis 1890 von Anton Julius Richter angelegt worden war, gibt Zeugnis von der sich wandelnden Gartenkultur Blankeneses. Er entstand in verschiedenen Zeitabschnitten. 

Ab 1830 wurde Blankenese ein beliebtes Reiseziel für Touristen. Wie kam es dazu? Die Grundvoraussetzung dafür, Touristen anziehen zu können, ist der Vorweis einer für den Gast "unberührten Geschichte" sowie einer "unberührten Landschaft", so lautet die Antwort von Hans Magnus Enzensberger. 

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Blankenese konnte nun mit beidem aufwarten. Beim Anblick der edlen schlossähnlichen Villen oder der alten Fahrensleute, die abends bei Grog Seemannsgarn sponnen, von fernen Ländern erzählten, stellte sich für den Angereisten sicher bald ein idyllisch-heimeliges, zugleich exotisches Bild von Blankenese ein. Das wurde schließlich auch erwartet; und hatten sich die Blankeneser bis dato wenig um die eigene Geschichte geschert, der zunehmende Tourismus gab bestimmt Anlass dazu, sie zu erforschen und zu rekonstruieren. Die ‚unberührte‘ Landschaft hingegen bedurfte keiner Konstruktion. Sie war jedem Besucher leicht ersichtlich und ragte damals wie heute 75 Meter aus der sonst eher platten norddeutschen Landschaft heraus: der Süllberg.

Einst war der Süllberg vor allem wegen seiner strategischen Lage hoch geschätzt. Kein Schiff konnte sich unbemerkt vom Ufer entfernen, kein Trupp ungesehen entkommen. Im 19. Jahrhundert siedelte sich dort die Gastronomie an, u. a. das bereits erwähnte Gartencafé Schuldt. In diesem Ausflugslokal musste nur das Kaffeewasser bei der Wirtin gekauft werden, das Kaffeemehl hatte man indessen von Zuhause mitzubringen. Die Öffnung des Gartencafés am Süllberg für alle Bevölkerungsschichten war vermutlich eine Reaktion auf die verbreitete Sitte des Kaffeetrinkens innerhalb des Bürgertums seit dem späten 18. Jahrhundert und zeugt von der Fähigkeit der Blankeneser, auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen eingehen zu können. Denn die Privilegierteren hielten sich kaum im Café Schuldt auf. Sie waren Gast im Süllberg, ein Hotel-Restaurant ersten Ranges. Es lockte die Hamburger zu Tausenden an.

 

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Neben dem Süllberg samt gastronomischer Darbietungen hatte Blankenese eine andere landschaftliche Attraktion zu bieten: den Elbstrand und die Elbinseln. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Hamburger ans Wasser zu fahren, vornehmlich in die aufkommenden Nord- und Ostseebäder, aber auch bei den Blankeneser Seefahrerfamilien mieteten sie sich ein. 1899 zählte der Ort mehr als 300 Gäste mit Sommerwohnungen. Auch Tagesgäste reisten mit dem Dampfschiff an. Die Touristen vergnügten sich hauptsächlich am Strand, weniger um ins Wasser zu gehen als um ein ausgiebiges Sonnenbad zu nehmen. Natürlich gaben sich die Blankeneser weiterhin dem Badevergnügen hin, was zu Konflikten führte, denn ortsübliche Badeweise war das Nacktbaden, woran sich viele Touristen störten. Nach mehrfacher Beschwerde fühlte sich der königlich-preußische Kirchspielvogt in Blankenese genötigt, das Nacktbaden und „Baden am offenen Elbstrande“ per Erlass vom 3. Juli 1877 zu unterbinden. Der Aufsichtsbehörde in Schleswig war dieses Verbot zu streng. Sie argumentierte, dass das Baden die Folge der Förderung des Reinlichkeitssinns sei, obendrein wichtig für die sittliche Entwicklung wäre, und dass „die Befriedigung des Badebedürfnisses“ auch für jene möglich sein müsste, „welche für dasselbe keine Ausgaben machen können.“ In dieser aufgeklärten Denkweise klingen bereits reformerische Absichten an, die die Propagandisten der Nacktkultur um die Jahrhundertwende formulierten, und die im 19. Jahrhundert immer mehr zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen wurden. Davon wollte der Kirchspielvogt jedoch nichts wissen. 

 

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Er berief sich auf die Klagen der offensichtlich durch die wilhelminischen Prüderie geprägten, bürgerlichen Gäste und erwiderte: „Insbesondere ist darüber geklagt worden, dass des Abend von 6 Uhr an bis zum Dunkelwerden auch an Sonntagen eine große Anzahl von Fabrikarbeitern aus Ottensen sich zum Baden vom offenen Elbstrande aus in den hiesigen Distrikt begeben und während des Badens sich in dem Maße unanständig und roh benehmen, dass die Bewohner der unmittelbar an der Elbe gelegenen Gutsbesitzungen die weiblichen Mitglieder ihrer Familie sowie die Kinder nicht in ihren Gärten belassen, sondern in die Häuser verweisen mussten. Die Badenden liefen stundenlang ganz nackt am Strande umher.“ Schließlich verblieb es bei dem Badeverbot „vom Elbstrande“ aus, was die Blankeneser und Ottenser aber nicht daran hinderte, weiterhin nackt in das Wasser zu springen. Eine gewisse Entlastung in dieser Streitfrage mag das Badeschiff von J. A. Breckwoldt gebracht haben. Er nahm es von 1888 bis 1901 als sittsam getrennte „Badeanstalt für Herren und Damen“ oberhalb vom Bull’n in Betrieb. In der umgebauten Eisenbahnfähre gab es je zehn Zellen für das weibliche beziehungsweise männliche Geschlecht. Das Wasser aus der Elbe wurde mittels verstellbarer Klappen durch die Badeabteilungen geleitet. Mit der Badeanstalt war eine Bootsvermietung und ein Gastwirtschaftsbetrieb verbunden, deren Betrieb allerdings bereits 1901 eingestellt wurde.

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Die Ehefrauen der Blankeneser Seefahrer

Wie bei allen Ehefrauen von Seefahrern, mussten sich auch die Blankeneser Frauen alleine um Haus, Garten und Kinder kümmern während ihre Männer auf See waren. Einige Frauen suchten sich einen zusätzlichen Nebenverdienst wie z. B. die Kapitänsfrau Anna Schuldt, die um 1885 das Gartencafé Schuldt auf dem Süllberg eröffnete. Wenn die Männer auf See blieben, waren die Witwen gänzlich auf sich gestellt und darauf angewiesen, einen neuen „Ernährer“ zu suchen – nach Einhaltung der gebührenden Trauerzeit von zwei bis vier Jahren.

Warum Blankenese heute zu Hamburg gehört

Zu diesem Zeitpunkt hatte Blankenese als Ort der Seefahrer an Bedeutung deutlich verloren. Tourismus hieß jetzt der gewinnbringende Wirtschaftszweig. Wegen der fortschreitenden Entwicklung von Blankenese zum Villenvorort und zum Ausflugsziel von Tagesgästen nahm der Anreise- und Transportbedarf beständig zu. Daher hatte die Eisenbahnlinie zwischen Altona und Blankenese, die bereits am 19. Mai 1867 eröffnet worden war, eine große Bedeutung in der Geschichte des Tourismus. 1880 verkehrten täglich je zehn Züge in beide Richtungen und 1895 sogar 34. Am 26. August 1899 wurde zusätzlich die elektrische Straßenbahn eröffnet. Die heutige S-Bahn ist seit 1908 elektrifiziert. Sie verkehrte bis 1921 als Nachfolgerin der Pferdeomnibuslinie und musste den Betrieb einstellen, da über den Ersten Weltkrieg hinweg die Wagen und Schienen so ausgefahren waren, dass der Unterhalt zu kostspielig wurde. Neben der Bahn transportierten bereits seit 1842 Ausflugsschiffe und Linienfähren die Gäste nach Blankenese. Auch während des Nationalsozialismus landeten die Schiffe – seit 1933 unter Hakenkreuzflagge – am Bull‘n. Ab 1937 brauchten die Hamburger, um nach Blankenese zu kommen, nicht einmal mehr die Stadtgrenze überschreiten, denn durch das Groß-Hamburg-Gesetz wurden Blankenese und die anderen Elbvororte eingemeindet. Während des Zweiten Weltkrieges blieb Blankenese zwar weitgehend von größeren Bombenangriffen verschont, doch die Touristen blieben aus. In den 50er Jahren jedoch, als zwar die Trümmer des Krieges in der Stadt Hamburg, aber nicht in den Herzen der Menschen beseitigt waren, als der Sinn deshalb mehr denn je nach Ablenkung und nach innerem und äußerem Neubeginn stand, erlebte Blankenese als Ausflugsort eine Hochkonjunktur. Man fuhr nach Italien oder eben an einen Platz, an dem man sich an den Süden erinnert fühlte. Damals wie heute bedeutet Blankenese so viel Ablenkung und Lust am Leben, in Beschaulichkeit oder beschwingter Aktivität, in paradiesischer Harmonie und Einklang eines jeden mit sich und seiner Umgebung: Adieu, tristesse.

 

 

Der Goßler Park

Der Goßler Park ist ein Park in Blankenese. Er ist nach seinem letzten Besitzer aus dem Hanseatengeschlecht Goßler benannt und entstand 1841 durch die Familie Roß, die eine Parkanlage im englischen Stil anlegen ließ. Zum Park gehört auch das durch Christian Frederik Hansen (1756-1845) für John Blacker entworfene Landhaus.
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Blankenese in Daten

200.000 v. Chr. formen skandinavische Endmoränenablagerungen einen Höhenzug zwischen den Harburger und den Blankeneser Bergen.

20.000 v. Chr. bilden Schmelzwassermassen das steile Blankeneser Hanggebiet.

Seit ca. 1000 v. Chr. ist das Gebiet um Blankenese besiedelt.

1059 urkundliche Erwähnung des „Sollemberch“.

1060/61 n. Chr. wird ein Kastell durch Bischof Adalbert von Bremen auf dem Süllberg errichtet. Es soll vor Angriffen der Slawen schützen. Die Burg wird 1063 zerstört.

1258 bis 1262 befindet sich erneut eine Burg auf dem Süllberg. Sie wurde von den Grafen von Schauenburg errichtet.

1568 fertigt Melchior Lorichs eine Karte der Niederelbe an, die „Blancke Neeß“ mit der Landzunge darstellt. Diese wird bei der Sturmflut von1634 weggespült.

1301 wird der Ort „Blankinese“ erstmals in einer Urkunde im Zusammenhang mit der Fähre erwähnt.

1535 werden die Blankeneser zum ersten Mal amtlich als Fischer bezeichnet. Der Ort entwickelt sich zu einem der einträglichsten Fischerdörfer in der Grafschaft Pinneberg.

1618 erwirbt Hans Bramfeld als erster Hamburger Bürger von dem Dockenhudener Bauern Hans Dreyer einen Hof.

1640 fällt die Grafschaft Pinneberg an Dänemark.


1720 wird eine Königliche Abgabeverordnung für Bergungsgut herausgegeben, um der Strandräuberei einen Riegel vorzuschieben.

1789 gewinnt Blankenese an Bedeutung für die Bewohner Hamburgs, die hier im Sommer ihren Landaufenthalt gestalten wollen.

Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt sich die Handelsschifffahrt in Blankenese und führt die Seeleute ab1830 auf schnellen Seglern nach Sizilien, um dort Südfrüchte zu laden. Bereits um 1850 fahren die Blankeneser nach Übersee.

1864 besiegen Österreicher und Preußen die Dänen und übernehmen die Verwaltung von Schleswig-Holstein.

1867 eröffnet die Eisenbahnstrecke Altona - Blankenese.

1919 Zusammenlegung des Dorfes Blankenese und Dockenhuden.

1920 wird Blankenese zum Luftkurort.

1927 vollzieht sich die Eingemeindung Blankeneses zusammen mit den Elbvororten nach Altona.

1937 wird Groß-Altona und damit auch Blankenese durch das Groß-Hamburg-Gesetz nach Hamburg eingemeindet.

1943 werden Blankenese, Wedel und Rissen bombardiert.


1949 beginnen die Aufbereitungsarbeiten des Blankeneser Strandes.

1980 genehmigt die Altonaer Bezirksversammlung das teilweise Zuschütten des Mühlenberger Lochs.

2001 finden die Festwochen anlässlich des 700jährigen Jubiläums statt.

2007 bis 2009 Umgestaltung des Bahnhofsplatzes.