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GrenzenlosKolonialismus, Industrie und Widerstand

30. September bis 18. Juli 2021

Hamburg war eines der wirtschaftlichen Zentren des europäischen Kolonialismus. Viele der Waren und Rohstoffe aus Kolonien, die über den Hafen in die Stadt gelangten, wurden in der hiesigen Industrie verarbeitet – auch auf dem Gelände des Museums der Arbeit, einer ehemaligen Gummifabrik.

Einige Hamburger Unternehmen waren deutschland- oder auch europaweit führend in der industriellen Verarbeitung von Kautschuk, tropischen Ölen und Fetten, Kakao und Elfenbein. Insbesondere seit dem 19. Jahrhundert konsumierten zahlreiche Menschen in Europa die daraus hergestellten Produkte. Doch wer denkt bei einem Hartgummi-Kamm schon an Plantagen in Kamerun, wer sieht in der Margarine oder der Christbaumkerze eine Verbindung zu Nigeria, wer erkennt in der Seife einen Bezug zu Samoa? Unsichtbar sind auch das Wissen und die Arbeit der Menschen in den Kolonien sowie die koloniale Gewalt und das mit ihr verbundene Leid.

Die Menschen in den Kolonien gewannen Kautschuk, Öle, Kakao und Elfenbein für Hamburgs koloniale Industrie unter den Bedingungen einer rassistischen Gewaltherrschaft. Sie wurden versklavt, zur Arbeit auf Plantagen und in Karawanen gezwungen, ihrer Existenzgrundlage beraubt und vertrieben. Sie leisteten individuell und kollektiv Widerstand, sei es in Protesten oder Petitionen, durch Flucht, Sabotage oder mit der Waffe.

Mit seiner Sonderausstellung möchte das Museum der Arbeit einen Beitrag zur aktuellen Debatte über den Umgang Hamburgs mit seiner kolonialen Geschichte und zur Diskussion über die langfristigen Folgen kolonialer Herrschaftsstrukturen leisten.

Mit freundlicher Unterstützung 

   

 

Museum der Arbeit

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Öffnungszeiten

Montag 10 - 21 Uhr

Dienstags geschlossen

Mittwoch bis Freitag 10 - 17 Uhr

Samstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr


Blick in die Ausstellung "Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand". Foto: SHMH

Hamburg als Hafenstadt gilt als „Tor zur Welt“. Früher war es das Tor zur Unmenschlichkeit. Die Ausbeutung des Globalen Südens brachte der Stadt viel Reichtum. Über Produktionen von Hamburger Unternehmen, deren Verstrickungen auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.

Digitales Rahmenprogramm

Frauen und LSBTIQ Personen in Zeiten von Covid-19
12.05.2021 17:00 - 20:00

Frauen und LSBTIQ Personen in Zeiten von Covid-19

Online-Workshop zu dekolonialen und machtkritischen Perspektiven auf die Auswirkungen von Covid-19 im Globalen Süden. Lokal wie auch global sind...

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#MuseenEntdecken - Online-Führung mit Gespräch durch die Sonderausstellung
16.05.2021 11:00 - 12:30 Uhr

#MuseenEntdecken - Online-Führung mit Gespräch durch die Sonderausstellung "Grenzenlos"

Online-Führung durch die Sonderausstellung "Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand".

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Online-Führung durch die Sonderausstellung „Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand“
18.05.2021 16:00 - 17:00 Uhr

Online-Führung durch die Sonderausstellung „Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand“

Auch digitale Führungen können eine tolle Gelegenheit sein, Ausstellungen von zu Hause aus zu entdecken. Daher bietet das Museum der Arbeit seine...

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Digitaler Workshop: Diasporic C/Artographies für BIPoC
22.05.2021 12:00 - 14:00 Uhr

Digitaler Workshop: Diasporic C/Artographies für BIPoC

Ein zweiteiliger k/artografischer Workshop zu diasporischen Gegenerzählungen in der Stadt zeigt, wie postkoloniale Gegenwarten in Hamburg aktuell...

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DIGITALES Museumsgespräch

für Gruppen und Schulklassen via Zoom

Die Buchung der Angebote erfolgt über den Museumsdienst Hamburg unter www.museumsdienst-hamburg.de

 

Im Rahmen der Einführung begleitet ein*e Vermittler*in die Teilnehmer*innen zu ausgewählten Objekten und Bildern in der Ausstellung. So erarbeiten sie sich gemeinsam den Umgang Hamburgs mit seiner kolonialen Geschichte sowie die Folgen kolonialer Herrschaftsstrukturen. Zwischenfragen und Bemerkungen sind jederzeit erwünscht.

Hamburg wird gern als "Tor zur Welt" bezeichnet. Dabei wird immer noch oft verschwiegen, dass diese Welt eine koloniale war: Der Reichtum der Hafenstadt beruhte auf der gewaltsamen Ausbeutung des Globalen Südens. Die Menschen in den Kolonien gewannen Rohstoffe wie Kautschuk, Öle, Kakao und Elfenbein, die in Hamburger Industrieunternehmen verarbeitet wurden. Sie arbeiteten unter den Bedingungen einer rassistischen Gewaltherrschaft, in der ihr Leid und ihre Arbeit, aber auch ihr Wissen und ihr Widerstand unsichtbar gemacht wurden.

Das Ausstellungsgespräch wird nach rassismuskritischen Maßstäben geführt. Ein Ziel ist es, bei den Teilnehmenden ein kritisches Bewusstsein für die Kolonialgeschichte und postkoloniale Geschichte zu schaffen.

vhs-Kurse

in Kooperation mit dem Museum der Arbeit. Die Anmeldung erfolgt über www.vhs-hamburg.de.

 

Bildungsurlaub: Hamburg und der Kolonialismus

2. – 6. August 2021

Wir nähern uns der Epoche des Kolonialismus kritisch und machen die thematischen Verbindungen mit unserer Stadt sichtbar. Hierfür gehen wir auf Spurensuche, besuchen Institutionen und kommen mit Menschen ins Gespräch.

Hamburg, das "Tor zur Welt", war im 19. Jahrhundert das Tor in eine koloniale Welt. Die Hafenstadt war eng verquickt mit dem kolonialen Handel, so haben Kaufleute, Reeder und auch die Gesellschaft wirtschaftlich stark profitiert. Gleichzeitig war das Handeln der Machthaber in den Kolonien geprägt von Unterdrückung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung, auch hierdurch konnte Hamburgs Wirtschaft wachsen.

Kursnummer: 3169NNN01

Mo. - Fr. 09:00 - 16:00, 40 UStd. 
02.08.21 - 06.08.21, 5 Termine

145,- €

VHS-Zentrum Nord
Poppenhusenstraße 12 
22305 Hamburg (Barmbek)

Kursleiterin: Anna Sophia Prochotta 

Zur Anmeldung

Stimmen zur Ausstellung

Im Video kommen zu Wort:
Prof. Dr. Rita Müller, Direktorin Museum der Arbeit
Christopher Nixon, Projektleitung
Dr. Sandra Schürmann, Projektleitung
Kodjo Valentin Gläser, Beirat
Meryem Choukri, Beirat
Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Vorstand Stiftung Historische Museen Hamburg
Dr. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien Hamburg

 

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Stadtplan koloniales Hamburg

Die Karte zeigt eine Auswahl an Orten, die mit der kolonialen Vergangenheit Hamburgs in Verbindung stehen – darunter u.a. die in dieser Ausstellung gezeigten Unternehmen der kolonialen Industrie. Im Laufe der Ausstellung soll dieser Stadtplan mit dem Wissen der Besucher*innen mitwachsen. Also machen Sie mit! Welcher Erinnerungsort fehlt noch? Welches Denkmal fällt Ihnen ein?

Senden Sie Ihre Anmerkungen gerne an info@mda.shmh.de

Diese Karte ist in Zusammenarbeit mit dem Team von efoto Hamburg entstanden.

Die wichtigsten Begriffsdefinitionen zur Sonderausstellung finden Sie in unserem Glossar. Weiterlesen >>>

Das Bookazine zur Ausstellung

Das Bookazine „grenzenlos“bringt unterschiedliche Stimmen und Perspektiven von BIPoC in Deutschland zusammen. In Essays, Interviews, Gedichten, Collagen und Fotografien, bildet die Publikation die vielfältigsten Lebensrealitäten ab. Die Autor*innen führen dabei den Diskurs um die Ausstellungsinhalte selbstständig und kritisch fort. Das Bookazine möchte insbesondere BIPoC erreichen und bietet zugleich durch seinen diversitätssensiblen, diskriminierungskritischen und inklusiven Ansatz allen Leser*innen produktive Lernräume.

Mit Beiträgen u. a. von: Lahya Aukongo, Olenka Bordo Benavides, Elliot Blue, Nikita Dhawan, Diana Ejaita, Natasha A. Kelly, Isaiah Lopaz, Sandrine Micossé-Aikins, Alok V. Menon, Movain, Candice Nembhard, Kofi Shakur, Moro Yapha.


Herausgeber*innen: Josephine Apraku, Rita Müller, Christopher Nixon

170 Seiten, zahlreiche Abbildungen, KOCMOC-Publishing Space, ca. 17 €, erhältlich im Museumsladen oder online via KOCMOC

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Online-Vortrag: Kolonisierte Arbeitswelten

Hier können Sie die Aufzeichnung des Online-Vortrags "Kolonisierte Arbeitswelten: Indische Seeleute im Britischen Empire und in Hamburg (ca. 1890–1939)" von Univ.-Prof. Dr. Ravi Ahuja und Svenja von Jan anschauen. Der Vortrag wurde am 25. Januar 2021 digital innerhalb der Vortragsreihe "(Neo-)Kolonialismus und Arbeit" gehalten, die dem grundlegendem Verhältnis zwischen Kolonialismus und Arbeit in interdisziplinären Perspektiven auf den Grund gehen will. Lesen Sie unten mehr zum Thema und den Referent*innen. 

Im vorangegangenen Vortrag der Reihe hat Univ.-Prof. Dr. Nikita Dhawan erläutert, wie die europäische Aufklärung die Etablierung von ausbeuterischen und gewaltvollen Arbeitsregimen in den europäischen Kolonien etablieren half, die heute noch in neokolonialen Zusammenhängen fortgesetzt werden. Ravi Ahuja und Svenja von Jan liefern nun eine historische Perspektive. Ein Viertel der Beschäftigten in der britischen Schifffahrtsindustrie stammten zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Kolonie "Britisch-Indien". Die Referent*innen fragen infolgedessen danach, was ihre Beschäftigung für britische und deutsche Reeder interessant machte und welche Spuren die indischen Arbeiter*innen in den europäischen Häfen wie Hamburg hinterließen.

Univ.-Prof. Dr. Ravi Ahuja ist seit 2009 Professor für moderne indische Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Er forscht zur Sozialgeschichte maritimer Arbeit in Südasien und zur Entstehung der indischen arbeitszentrierten Sozialpolitik in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Svenja von Jan ist seit 2017 ebenfalls in Göttingen Stipendiatin im Promotionsprogramm "Migrationsgesellschaftliche Grenzformationen". In ihrem Promotionsprojekt geht es um die Voraussetzungen und Funktionsweisen südasiatischer Migration in europäische und amerikanische Hafenstädte zwischen 1880 und 1945.

 

Gemeinsame Anmerkung von Vortragenden und Redaktion:
Historische Erforschung kolonisierter Arbeitswelten ist mit Dokumenten konfrontiert, die häufig von rassistischen und sozialdarwinistischen Denkfiguren und Vokabular geprägt sind. Worin ein kritischer Umgang mit solchen historischen Materialien besteht, ist umstritten. Die Vortragenden halten es für wissenschaftlich, ethisch und politisch geboten, menschenverachtenden Sprach- und Handlungspraktiken der Vergangenheit ohne jegliche nachträgliche Verhüllung offenzulegen. In der Ausstellung "Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand" im Museum der Arbeit hat sich das Ausstellungsteam hingegen dazu entschlossen, degradierende Fremdbezeichnungen wie das "N-Wort" nicht auszuschreiben.
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