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Markante Portraits und ungewöhnliche Perspektiven zeichnen die Bilder des Fotografen Friedrich „Fide“ Struck (1901-1985) aus, der in den frühen 1930er Jahren die Arbeit im Hafen, die Bauern im Hamburger Umland, aber auch die Händler an der Hamburger Börse festgehalten hat. 2015 wurden seine Fotografien in einem alten Holzkoffer wiederentdeckt. Erkunden Sie diesen Schatz in der Digitalausgabe der Ausstellung.

Einführung

In Hamburg und Altona fotografierte Fide zwischen 1930 und 1933 vor allem die Arbeiter und Arbeiterinnen im Hafen, in der Altonaer Fischauktionshalle und den Fischräuchereien, den Gemüsemarkt an den Deichtorhallen sowie den Handel an der Hamburger Börse. Seine Fotos bestechen durch ihre Nüchternheit, inspiriert vom „Neuen Sehen“ der Fotografie der 1920er Jahre. Sie bilden gefühlvoll und authentisch den Alltag der Arbeiter und Bauern ab. Unter dem NS-Regime wurde diese sozialdokumentarisch motivierte Arbeiterfotografie gefährlich. Fide fokussierte sich zunehmend auf unpolitische Sujets, wie seine Familie. Die Negative verwahrte er in einem Holzkoffer, den sein Sohn Thomas Struck im Jahr 2015 wiederentdeckte. Heute kann man nicht mit Sicherheit sagen, wie Fide seine Fotos von den Glasnegativen auf Papier abgezogen, wie er Ausschnitte gewählt oder mit Helligkeit und Kontrast gearbeitet hätte. Die hier präsentierten Prints zeigen daher vollständig die originalen, unbearbeiteten Glasnegative. Sie sind der eigentliche Nachlass von Fide Strucks fotografischem Lebenswerk.

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Die Kuratoren Sebastian Lux (Stiftung F.C. Gundlach) und Simon Wyrwol (Altonaer Museum) nehmen Sie mit durch die Ausstellung und hinter die Linse von Fide Struck.
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Vom Verpacken der Glasnegative bis zur Wiederentdeckung im Jahr 2015 legt der Koffer eine weite Reise zurück. 1941 ordnet Fide die Negative nach Themen und wickelt sie in Tageszeitungen ein. Es sind etwa 1.500 Glas- und 1.000 Zelluloidnegative, die Fide wie einen Schatz in einem Holzkoffer aufbewahrt. Noch vor dem Hamburger Feuersturm im Juli 1943 reist der Koffer in den sicheren Harz. In den folgenden Jahren zieht er noch ein paar Mal um, bis er 2010 im Keller von Fides Sohn, dem Filmemacher Thomas Struck, landet. Dieser öffnet ihn 2015. 74 Jahre nachdem der Koffer gepackt wurde, werden die Negative erneut gesehen und gescannt. Die wiederentdeckten Fotografien sind von hoher fotografischer Qualität und in einem exzellenten Erhaltungszustand. Die Vergrößerung der Scans ermöglicht einen ganz neuen Blick auf die Motive und ihre Zeit. 2019 nimmt die bpk-Bildagentur Fides Lebenswerk in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf.

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Auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten

Der Filmemacher Thomas Struck im Gespräch über seine Vater und dessen Philosophie der ungestellten Bilder

BIOGRAFIE

FIDE STRUCK(1901 - 1985)

MÄRZ 1901
Geboren in Hamburg

APRIL 1915 BIS MÄRZ 1918
Lehre als Textilkaufmann

1920
Schließt sich der Jugendbewegung an

Fide Struck bei der Arbeit an einer Fotoreportage am Bodensee, aufgenommen von Marta Struck, ca. 1935
Fide Struck bei der Arbeit an einer Fotoreportage am Bodensee, aufgenommen von Marta Struck, ca. 1935

NOVEMBER 1924 BIS NOVEMBER 1927
Fotografische Bildung bei der Kunsthandwerker-Genossenschaft Gildenhall bei Neuruppin, Brandenburg

1928
Umzug nach Berlin und Arbeit als freier Fotograf in Berlin und Hamburg

MAI 1928 BIS MÄRZ 1939
Arbeit, mit Unterbrechungen, als Fotodokumentar und kaufmännischer Angestellter bei verschiedenen Siedlungsbaugesellschaften in Berlin, nebenher macht Fide freiberuflich Fotoreportagen

AB 1934
Unter dem NS-Regime wird Arbeiterfotografie zunehmend gefährlich, Fide fotografiert hauptsächlich seine Familie

APRIL 1939 BIS NOVEMBER 1945
Kaufmännischer Mitarbeiter bei der Siedlungsgesellschaft H. u. P. Frank, Hamburg

1941
Umzug nach Hamburg Uhlenhorst

SOMMER 1943
In Hamburg ausgebombt

1967
Umzug ins Altersheim in Hamburg Neugraben, der Koffer wird in Hamburg gelagert

OKTOBER 1985
Fide stirbt in Hamburg

2010
Der Koffer wird seinem Sohn Thomas Struck in Berlin übergeben, der ihn 2015 öffnet

2019
Der Nachlass wird von der bpk Bildagentur (Stiftung Preussischer Kulturbesitz) übernommen und 2020 in das Archiv überführt. Künftig soll er dort Forscher*innen und Wissenschaftler*innen zur Verfügung stehen

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Im Hafen fotografiert Fide Struck das ungestellte Leben der Arbeiter in ihren Arbeitsstätten: Von Werftarbeiten bei der Abwrackung eines Schiffes, Malerarbeiten an der Außenwand eines Frachters und Schweißarbeiten auf der Werft, bis zur Eislieferung für den frischen Fisch auf dem Fischmarkt. Fides Blick ist persönlich, er ist sehr nah an seinen Motiven, nah am Alltag der harten Tätigkeiten der Hafenarbeiter. Die Fotografien von Männern, die sich im kalten Elbwasser waschen, zeigen die Intimität, die der Fotograf zwischen sich und seinen Motiven aufbaut.

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Genau hingeschaut

Inhaltlich ist es das Bild des Menschen, das Fide Struck interessiert und die Bilder so ausdrucksstark macht. Aber auch die gewählten Perspektiven hochinteressant. Sebastian Lux erklärt die verschiedenen Techniken Fides.

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In der Altonaer Fischauktionshalle hält Fide die feilschenden Fischhändler fest. Die Fischauktionshalle wurde 1895-96 erbaut und versorgte die Stadt Altona und später ganz Hamburg mit frischem Fisch. Fide interessiert sich hier vor allem für Arbeitsabläufe: Fischkisten waschen, mit Fisch befüllen, transportieren und an die Händler veräußern. Die Händler balancieren geschickt und erfahren auf den Rändern der Kisten, voll beladen mit verschiedenen Fischen. Die Halle glitzert vor silbrigen Schuppen, die Fide von seiner erhöhten Stellung, vom Umgang im ersten Stock aus, mit dem Sucher einfängt.

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Die Original-Negative und das "Anzeichnen"

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Mehr als die Hälfte von Fides fotografischem Nachlass liegt in Form von Glasnegativen vor, insgesamt 1.500 Platten, zumeist in den Formaten 4,5 x 6 cm und 6,5 x 9 cm. Die Fotoplatten sind mit einer Fotoemulsion beschichtet und waren besonders wegen ihrer Formstabilität, Ebenheit und Widerstandsfähigkeit geschätzt. Fides Glasnegative sind auch heute, 90 Jahre später, noch sehr gut erhalten und verdeutlichen, wie in den 1930er Jahren fotografiert wurde. Die unbearbeiteten Glasnegative illustrieren, wie Fide seine Motive in den Sucher seiner Kamera genommen hat, unverändert durch Ausschnittwahl, Belichtungszeit und Kontrastierung.

Die Vergrößerung eines Kontaktabzugs zeigt, dass mit Bleistift eine Anzeichnung auf dem kleinen Testpositiv vorgenommen wurde. Die nachträgliche Bearbeitung des Motivs ist ohne Quellen heute nur schwer einzuordnen: Hat Fide angezeichnet? Mit welcher Absicht wurde die Wahl des Ausschnitts vorgenommen? War das so definierte Motiv bestimmt für den Verkauf, für eine Publikation oder einen anderen Zweck? Durch die Ungewissheit bleibt das Motiv auf dem Glasnegativ als Fides wahres Werk und als sein fotografischer Nachlass zurück.

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In den Altonaer Fischräuchereien fotografiert Fide Struck die Frauen und Männer bei allen Arbeitsschritten. Sie tragen dicke, schwere Schürzen, nehmen Fische aus, hängen sie in langen Reihen auf Metallruten, räuchern Aale, Heringe und Anchovis und stellen Fischpastete her. Kistenweise werden die Fische gewogen und verpackt. Die Verkäufer*innen, ganz in Weiß, verkaufen die frische Ware an der Theke des Werksverkaufs.

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Akribisch dokumentiert

Simon Wyrwol erläutert Fides sensibles Agieren zwischen Menschen, Produkten und Abläufen.

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In der Lüneburger Heide fotografiert Fide eine Bauernfamilie, die in einfachen Verhältnissen lebt. Die Bauern buddeln die Kartoffeln mit bloßen Händen aus der Erde, der Pflug wird noch von Pferden gezogen und jeder packt mit an. Mensch und Tier leben eng zusammen, Würste und Schinken werden selbst gemacht und unter dem Dach des Hallenhauses, aufgrund der offenen Feuerstelle auch „Rauchhaus“ genannt, aufgehängt. Besonders fasziniert scheint Fide vom Familienessen. Herd, Esstisch, Portraits der neugierigen Speisenden – der Fotograf zeigt das einfache Bild des ländlichen Lebens in der Heide.

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Der Gemüsemarkt an den Deichtorhallen bietet eine Fülle von Produkten aus Hamburgs fruchtbarer Umgebung und den aus aller Welt im Hafen ankommenden Frachtern. Die Gemüseladungen werden auf Schiffen und Karren in Körben und Kisten mit Muskelkraft transportiert. Im Zentrum des hektischen Geschehens stehen die Marktfrauen, die ihre Waren an die Hamburger bringen. Die rauen „Bananenhöker“, begabte Marktschreier, locken laut rufend Käufer an. An den Rändern des Marktes reißen sich Kinder und arme Leute um Reste.

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Der Großmarkt als Dreh- und Angelpunkt

Wo Fide damals fotografierte, wurde auch die Idee zur Ausstellung geboren. Sebastian Lux erzählt die ganze Geschichte.
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Auf dem Börsenparkett

Neben Arbeitern und Arbeiterinnen fotografiert Fide auch Makler an der Hamburger Börse. Er fängt das hektische Treiben, das Offerieren und Bieten des Import- und Exportgeschäftes der Allgemeinen Waren- und der Wertpapierbörse ein. Intensive Verhandlungen und rasche Bewegungen der Händler stehen geduldig wartenden Maklern gegenüber. Die Menge der Kaufleute steht dicht gedrängt, bisweilen zeigen Bewegungsunschärfen die Dynamik auf dem Parkett. Spannend ist der Entstehungszeitraum dieser Fotoreportage: zwischen der vorübergehenden Schließung 1931 in Folge der Weltwirtschaftskrise und dem Verlust ihrer Selbstständigkeit unter der NS-Herrschaft 1933. Auf dem abgelichteten Börsenparkett ist von der unsicheren wirtschaftlichen und politischen Situation nichts zu spüren.

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Das Haus des Geldes

Wer Dynamik fotografieren möchte, ist an der Börse richtig! So hat auch Fide Struck ganz besondere Perspektiven auf den Wertpapierhandel gefunden und festgehalten.

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Danksagung

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