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GrenzenlosKolonialismus, Industrie und Widerstand

30. September bis April 2021

Mit seiner diesjährigen Sonderausstellung will das Museum der Arbeit einen Beitrag zur aktuellen Debatte über den Umgang der Stadt Hamburg mit ihrer kolonialen Geschichte und zu den bis heute reichenden Folgen der kolonialen Herrschaftsstrukturen leisten. Den historischen Ausgangspunkt bildet die Verarbeitung von Kautschuk, Palmöl und Kokosöl durch hamburgische Industrieunternehmen, die u. a. auf dem heutigen Gelände des Museums der Arbeit, der ehemaligen New-York Hamburger Gummiwaaren-Fabrik, aber auch in Harburg und Wandsbek ansässig waren. Sie stellten seit dem späten 19. Jahrhundert Alltagsprodukte wie Hartgummikämme, Badehauben, Margarine, Fertiglebensmittel, Kerzen und Seife her; Dinge, bei denen die kolonialen Bezüge nicht sofort ins Auge fallen, deren Rohstoffe jedoch unmittelbar mit dem deutschen und europäischen Kolonialismus verflochten sind. Die Ausstellung will dem verharmlosenden Narrativ einer „hanseatischen Kaufmannsindustrie“ die gewaltvollen Realitäten des Kolonialismus, aber auch die Widerständigkeit der betroffenen Menschen gegenüberstellen. Darüber hinaus stellt sie Bezüge zur globalen Ökonomie der Gegenwart heraus: Der Reichtum der Industrienationen beruht auf asymmetrischen Wirtschaftsbeziehungen und die Lasten von Umweltzerstörung und Klimakrise bleiben weiterhin ungleich verteilt. Indem die Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit die Verflechtung der hamburgischen Wirtschaftsgeschichte mit dem europäischen Kolonialismus nahe bringt, leistet sie einen Beitrag zu einem verantwortungsvollen und zeitgemäßen Blick auf die hamburgische Stadt- und Industriegeschichte. Damit verbunden ist auch der Anspruch, den eurozentristischen Blickwinkel auf das Thema herauszufordern und Perspektiven der Menschen in kolonisierten Ländern sowie ihrer Nachfahren einzubeziehen. Daher werden das Konzept und die Inhalte der Ausstellung gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Expert*innen erarbeitet. Ihre Partizipation ergänzt die Arbeit des Museumsteams um Wissensbestände und Erfahrungen, die dort bisher noch unterrepräsentiert sind: eine intensive Beschäftigung mit der hamburgischen Kolonialgeschichte und deren Spuren in der Stadt, biographische Bezüge in die ehemalige Kolonialgebiete sowie Rassismus-Erfahrungen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft.

Museum der Arbeit

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Öffnungszeiten

Montag 10 - 21 Uhr

Dienstags geschlossen

Mittwoch bis Freitag 10 - 17 Uhr

Samstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr

Open Call: Through a Lens Darkly

Im begleitenden Bookazine zur Ausstellung – eine Mischung aus Buch und Magazin – ist eine Fotostrecke mit Bildern geplant, die den komplexen Realitäten von BIPoC in Deutschland Raum geben soll. Das Bookazine richtet sich inhaltlich insbesondere auch an BIPoC. An alle BIPoC-Fotograf*innen und BIPoC-Menschen, die gerne Fotos machen: Schickt uns Fotos von euch, von euren Freund*innen, von Menschen und alltäglichen Orten, die euch wichtig sind. Die Bilder können empowernd sein oder einfach den stillen Alltag darstellen. Kunstvolle Selfies sind genauso willkommen wie Bilder von kolonialen Erinnerungsorten. Bitte schreibt uns zu den Bildern, wie und wann sie entstanden sind und welche Bedeutung sie für euch haben. Das Schwarze Redaktionsteam stellt insgesamt zehn Fotos zusammen, die im Bookazine publiziert werden. Für die Nutzungsrechte im Bookazine und der geplanten barrierearmen digitalen Ausgabe erhalten die Urheber*innen ein Honorar in Höhe von 200 Euro pro Foto.

Redaktion:

Josephine Apraku

Kontakt:

Christopher Nixon

christopher.nixon@mda.shmh.de