Altonaer Museum | Metropolis Kino, Kleine Theaterstraße 10, Tel: 040 342353 | 27.06.2022 Beginn: 19:30 Uhr

3 Filme, 3 Perspektiven, 3 Filmemacher: Gammler, Drifter, Trebegänger

Drei Filme über junge Männer, Großstadtstreuner oder Aussteiger, die keinen festen Platz in der Gesellschaft haben. Realistisch, poetisch oder experimentell inszeniert, wird in ihnen das »Unständige« zum attraktiven Lebensentwurf.

 

NA UND ...?
BRD 1966/67, R: Marquard Bohm, Helmut Herbst

verfolgt den Tagesablauf eines jungen Mannes, der, obschon verheiratet, noch im Haus der Eltern in einem Hamburger Elbvorort lebt. Nach Frühstückskabbeleien mit der Ehefrau fährt er mit der S-Bahn in die Stadt, um eine Anstellung zu finden. Eher lustlos nimmt er Vorstellungstermine wahr, bei denen er keine gute Figur macht, trifft Bekannte, von denen er einen beklaut, und isst zu Mittag in einer Kneipe mit seiner berufstätigen Frau. Anschließend stromert er durch die Stadt und legt sich mit einem Passanten an, der ihm blöde mit »Arbeitsdienst« kommt. Abends fährt er wieder heim, wo ihn Hausmusik erwartet ... Bogart und Belmondo standen Pate bei dem von Marquard Bohm (autobiografisch angelegten) Protagonisten, der sich, mit einer Spielzeugpistole bewaffnet und die Hände tief in die Taschen seines Trenchcoats vergraben, durch die Großstadtstraßen treiben lässt und auf das Wort »Ordnung« mit merklicher Ablehnung reagiert. Bilder von Besuchern eines Rolling- Stones-Konzerts belegen: So wie er lebt, denken viele.

 

KLAMMER AUF, KLAMMER ZU
BRD 1966, R: Hellmuth Costard

schildert die Reise eines jungen Mannes, der nach den Bundestagswahlen von 1965 das Land verlassen will, als Anhalter von Hamburg aus jedoch nur bis zur Lüneburger Heide kommt. Dort trifft er eine Jaguar-Besitzerin, die er vor dem »Angriff« eines Sportflugzeugs bewahrt und der er hilft, das Auto einem kunstbeflissenen Schäfer zu verkaufen. Als an dessen Zahlungsfähigkeit Zweifel auftauchen. kehren beide mit dem Zug nach Hamburg zurück ... Hellmuth Costard, der 1978 selbstironisch als DER KLEINE GODARD hervortreten wird, spielte hier mit Filmformaten, indem er Versatzstücke aus dem Nouvelle-Vague- und Genrekino kombinierte. Aufgepeppt mit Beatmusik und Comic-Bildern, entstand ein Roadmovie, das nach französischen Vorbildern »selbstreflexiv« mit Konventionen und Zuschauererwartungen jonglierte.

 

JIMMY ORPHEUS
BRD 1966, R: Roland Klick

erzählt von einem jungen unständigen Hafenarbeiter, der nach einer Tour durch die Absturzkneipen von St. Pauli eine Prostituierte kennen lernt, für die er auf einem Bummel durch das nächtliche Hamburg Kopf und Kragen riskiert ... Eine ebenso poetische wie realistische Liebesgeschichte, in der Roland Klick nicht nur kameratechnische Extravaganzen wie Jump Cuts und Zeitraffer, sondern nebenbei auch seine Vorstellungen von Actionkino erprobte – inklusive Autoverfolgungsjagd und Schlägerei.

Mit einer Einführung von Jörg Schöning (Co-kurator Close-up. Hamburger Film- und Kinogeschichten)

 

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Filmstill Na und ..? , Marquard Bohm, © Stiftung Deutsche Kinemathek

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